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6 (1855) Vermischte Schriften : zweite Abtheilung
Entstehung
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lange vor den Juniustagen habe ich den Vorstehern jener Association aufs be-stimmteste notifizirt, daß ich nicht mit derselben in weiterer Verbindung stehe.Ich kann daher nur mitleidig die Achsel zucken, wenn ich höre, daß die jesuitischaristokratische Partei in Teutschland sich zu jener Zeit die größte Mühe gab,mich als einen der Euragss des Tages darzustellen, um mir bei deren Ezecsseueine kompromittirendc Solidarität aufzubürden.

ES war eine tolle Zeit, und ich hatte meine große Noth mit meinen bestenFreunden, und ich war sehr besorgt für meine schlimmsten Feinde. Ja, Ihrthcucrn Feinde, Ihr wißt nicht wie viel Angst ich um Euch ausgestanden habe.Es war schon die Rede davon, alle verräthcrische Junker, verläumdcrischc P fas-sen und sonstige Schurken in Deutschland aufzuknüpfen. Wie durfte ich dasleiden! Galt es nur. Euch ein bischen zu züchtigen, Euch auf dem Schloß-Plast zu Berlin oder auf dem Schranncnmarkt zu München, in einem gelindenVersmaße, mit Ruthen zu streichen, oder Euch die trikolore Kokarde auf dieTonsur zu nageln, oder sonst ein Späßchcn mit Euch zu treiben, das hätte ichschon hingehen lassen. Aber daß man Euch geradezu umbringen wollte, daslitt ich nicht. Euer Tod wäre ja für mich der größte Verlust gewesen. Ichhätte mir neue Feinde erwerben müssen, vielleicht unter honetten Leuten, wel-ches einem Schriftsteller in den Augen des Publikums sehr schädlich ist. Nichtsist uns ersprießlicher, als wenn wir lauter schlechte Kerle zu Feinden haben.Der HERR hat mich unübersehbar reichlich mit dieser Sorte gesegnet und ichbin froh, daß sie jetzt in Sicherheit sind. Ja, laßt uns ein r« bletteruielrlauckamu8 singen, Ihr theucrn Feinde! Ihr wäret in der größten Gefahr,gehenkt zu werden, und ich hätte Euch dann auf immer verloren! Jetzt istwieder alles still, alles wird beigelegt, oder festgesetzt, die Bundesaktc wird los-gelassen und die Patrioten werden eingesperrt und wir sehen einer langen,süßen, sicheren Ruhe entgegen. Jetzt können wir uns wieder ungestört desalten schönen Verhältnisses erfreuen: ich geißle Euch wieder nach wie vor, undIhr vcrläumdct mich wieder nach wie vor. Wie froh bin ich. Euch noch soungehenkt zu sehen! Euer Leben ist mir theurcr, als jemals. Ich kann michbei Eurem Anblick einer gewissen Rührung nicht erwehren. Ich bitte Euch,schont Eure Gesundheit; verschluckt nicht Euer eigenes Gift, lügt und ver-läumdet lieber wo möglich noch mehr als Ihr zu thun pflegt, das erleichtert dasfromme Herz; geht nicht so gebückt und. gekrümmt, das schadet der Brust; gehtmal ins Theater, wenn eine Naupachschc Tragödie gegeben wird, das heitertans; versucht eine Abwechselung in Euren Privatvergnügungcn, besucht aucheinmal ein schönes Mädchen; hütet Euch aber vor des Seilers Töchterlcin!

,chr flattert jetzt wieder an einem langen Faden; aber wer weiß, an einemfrühen Morgen hängt Ihr an einem kurzen Strick.