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6 (1855) Vermischte Schriften : zweite Abtheilung
Entstehung
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über den Adel verwickeln wollte, um dem Publikum zu zeigen, daß ich seinePrinzipien mißverstanden, oder willkllhrlich entstellt hätte. Es schien miraber grade damals bedenklich, in meiner gewöhnlichen Weise, ein Themaöffentlich zu erörtern, das die Tagcslcidcnschaftcu so furchtbar anspreche» mußte.Ich habe diese Besorgnisse dem Grafen mitgcthcilt, und er war verständig ge-nug, nichts gegen mich zu schreiben. Da ich ihn zuerst angegriffen, hätte ichseine Autwort nicht ignoriren dürfen, und eine Replik hätte wieder von meinerSeite erfolgen müssen. Wegen jener Einsicht verdient der Graf das besteLob, das ich ihm hiermit zolle, und zwar um so bereitwilliger, da ich in ihmpersönlich einen geistreichen und, was noch mehr sagen will, einen wohldcnkcn-den Mann gefunden, der es wohl verdient hätte in der Vorrede zu den Kahl-dorfschcn Briefen nicht wie ein gewöhnlicher Adliger behandelt zu werden.Seitdem habe ich seine Schrift über Gcwcrbefrcihcit gelesen, worin er, wie beivielen anderen Fragen, den liberalsten Grundsätzen huldigt.

Es ist eine sonderbare Sache mit diesen Adligen! Die Besten unter ihnenkönnen sich von ihren Gcburtsintercsscn nicht lossagen. Sie können in denmeisten Fällen liberal denken, vielleicht noch unabhängig liberaler als Rotü-rierS, sie können vielleicht mehr als diese die Freiheit lieben und Opfer dafürbringen aber für bürgerliche Gleichheit sind sie sehr unempfänglich. ImGrunde ist kein Mensch ganz liberal, nur die Menschheit ist es ganz, da derEine das Stück Liberalismus besitzt, das dem Anderen mangelt, und die Leutesich also in ihrer Gesammtheit aufs Beste ergänzen. Der Graf Moltke istgewiß der festesten Meinung, daß der Sklavenhandel etwas Widerrechtlichesund Schändliches ist, und er stimmt gewiß für dessen Abschaffung. MpnHeer van der Null hingegen, ein Sklavenhändler, den ich unter den Bohm-chcn zu Rotterdam kennen gelernt, ist durchaus überzeugt: der Sklavenhandelsei etwas ganz Natürliches und Anständiges, das Vorrecht der Geburt aber,das Erbprivilegium, der Adel, sei etwas Ungerechtes und Widersinniges,welches jeder honette Staat ganz abschaffen müsse.

Daß ich im Julius 1831 mit dem Grasen Moltke, dem Champion des Adels,keinen Federkrieg führen wollte, wird jeder vernünftig fühlende Mensch zuwürdigen wissen, wenn er die Natur der Bedrohnisse erwägt, die damals inDeutschland laut geworden.

Tic Leidenschaften tobten wilder als je, und es galt damals dem Jakobinis-mus eben so kühn die Stirne zu bieten wie einst dem Absolutismus. Unbe-weglich in meinen Grundsätzen, haben selbst die Ränke des Jakobinismns nichtvermocht, mich hier, zu Paris, in den dunkeln Strudel hineinznrcißen, wodeutscher Unverstand mit französischem Leichtsinn rivalisirte. Ich habe keinenThcil genommen an der hiesigen deutschen Association, außer daß ich ihr beieiner Kollekte für die Unterstützung der freien Presse, einige Franks zollte;