— 162 —
millgirtc Gesetze die Privilegien des Adels annullirtz dieses ist an mehrerenOrten geschehen, und dennoch herrschen dort noch immer die AdclSintercsscn.Wir müssen die herkömmlichen Mißbrauche im fürstlichen Haushalt vertilge»,auch für das Hofgesinde eine neue Gcsindcordnnng einführen, die Etiquettcnzerbrechen, und um selbst frei zu werden, mit der Fllrstcnbcfrciung, mit derEmanzipation der Könige, das Werk beginnen. Die alten Drachen müssenverscheucht werden von dem Quell der Macht. Wenn Ihr dieses gcthan habt,seid wachsam, damit sie nicht nächtlicherweile wieder herankricchen und denQuell vergiften. Einst gehörten wir den Königen, jetzt gehören die Königeuns. Daher müssen wir sie auch selbst erziehen, und nicht mehr jenen hoch-geborenen Prinzcnhofmcistcrn überlassen, die sie zu den Zwecken ihrer Tasteerziehen und an Leib und Seele verstümmeln. Nichts ist den Völkern ge-fährlicher, als jene frühe Umjunkcrung der Kronprinzen. Der beste Bürgerwerde Prinzcncrzicher, durch die Wahl des Volks, und wer verrufenen Leu-munds ist, oder nur im geringsten beschälten, werde gesetzlich entfernt von derPerson des jungen Fürsten. Drängt er sich dennoch hinzu, mit jener unver-schämten Zudringlichkeit, die dem Adel in solchen Fällen eigen ist, so werde ergestäubt, auf dem Marktplatz, nach den schönsten Npthmen, und mit rothcmEisen werde ihm das Metrum aufs Schulterblatt gedruckt. Wenn er etwabehauptet, er habe sich an die Person des jungen Fürsten gedrängt, um fürgeistreich und witzig gehalten zu werden, und wenn er einen dicken Bauch hatwie Sir John, so setze man ihn blos ins Zuchthaus; aber wo die Weibersitzen.
Indessen, es gibt auch Weiße Raben.
Ich werde, wie ich schon in der Vorrede zu Kahldorss Briefen an den Gra-fen Moltke angedeutet, diesen Gegenstand ausführlicher besprechen; eine Sta-tistik des diplomatischen Corps, dem die Interessen der Völker anvertraut sind,wird dabei am interessantesten sein. Es werden Tabellen beigefügt werden,Verzeichnisse der verschiedenen Tugenden desselben, in den verschiedenen Haupt-städten. Man wird z. B. daraus ersehen, wie in einer der letztern, immerder dritte Mann unter der edlen Genossenschaft entweder ein Spieler ist, oderein heimathloser Lohndiener, oder ein Eskrok, oder der Ruffiano seiner eigenenGattin, oder der Gemahl seines Jokeys, oder ein Allcrweltsspion, oder sonstein adeliger Taugenichts. Ich habe Behufs dieser Statistik ein sehr gründ-liches Quellenstudium getrieben, und zwar an Tischen des Königs Pharo undanderer Könige des Morgenlands, in den Soireen der schönsten Göttincn dcSTanzes und des Gesanges, in den Tempeln der Gourmandise und der Galan-terie, kurz in den vornehmsten Häusern Europas.
Ich muß in Betreff des Grafen Moltke hier nachträglich erwähnen, daßderselbe Juli vorigen Jahres hier in Paris war, und mich in einen Federkrieg