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6 (1855) Vermischte Schriften : zweite Abtheilung
Entstehung
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Geld dafür zu bieten z aber Ludwig Philipp ist nun einmal der Meinung,daß er das Bürgerkönigthum erfunden habe, er hat ein Patent aus diese Er-findung bekomme»; er verdient damit jährlich achtzehn Millionen, eineSumme, die das Einkommen der Pariser Spielhäuser fast übertrifft, und ermöchte solch einträgliches Geschäft als ein Monopol für sich und seine Nach-kommen behalten. Schon im vorigen Artikel habe ich angedeutet, wie dieErhaltung jenes Königmonopols dem Ludwig Philipp über Alles am Herzenliegt, und wie, in Berücksichtigung solcher menschlichen Denkweise, seine Usur-pation der Präsidentur im Konseil zu entschuldigen ist. Noch immer hat ersich, der That nach, nicht in die gebührenden Grenzen seiner konstitutionellenBefugniß zurückgezogen, obgleich er, der Form nach, nicht mehr zu präsidircnwagt. Die eigentliche Streitfrage ist noch immer nicht geschlichtet, und wirdsich wohl bis zur Bildung eines neuen Ministeriums hinzcrrcn. Was aberdie Schwäche der Regierung am meisten offenbart, das ist eben, daß nicht dasinnere Landesbedllrsniß, sondern ausländische Ereignisse die Erhaltung, Er-neuerung oder Umgestaltung des französischen Ministeriums bedingen. SolcheAbhängigkeit von fremdländischen Interessen zeigte sich betriebsam und offen-kundig genug während der letzten Vorsallenheitcn in England. Jedes Ge-rücht, das uns in dieser letzten Zeit von dort zuwehte, brachte hier eine neueMinistcrkombination in Vorschlag und Berathung. Man dachte viel anOdilon-Barrot, und man war auf gutem Wege sogar an Mangnin zudenken. Als man das brittische Staatsstcucr in Wellingtons Händen sah,verlor man ganz den Kopf, und man war schon im Begriff, des militairischcnGleichgewichts halber, den Marschall Soult zum ersten Minister zu machen.

Die Freiheit von England und Frankreich wäre alsdann unter das Kom-mando zweier alten Soldaten gekommen, die, allein selbstständigcn Bürger-thume fremd oder gar feindlich, nie etwas andres gelernt haben, als sklavischzu gehorchen oder despotisch zu befehlen. Soult und Wellington sind ihremCharakter nach bloße Condotticri, nur daß ersterer in einer edlcrn Schule dasWaffenhandwerk gelernt hat und eben so sehr nach Ruhm wie nach Solddürstet. Nichts Geringeres als eine Krone sollte ihm einst als Beute zu-fallen, und, wie man mir versichert, Soult war einige Tage lang Konig vonPortugal, unter dem Namen Nikolo I, König der Algarven. Die Launeseines strengen Obcrherrn erlaubte ihm nicht, diesen königlichen Spaß längerzu treiben. Aber er kann es gewiß nicht vergessen; er hatte einst mit vollenOhren den süßen Majcstätstitcl eingesogen, mit berauschten Augen hat er dieMenschen, in unterthänigster Huldigung, vor sich knien sehen, auf seinengnädigen Händen fühlt er noch die brennenden, portugiesischen Lippen undihm sollte die Freiheit Frankreichs anvertraut werden! Ucber den Andern,über Mylord Wellington, brauche ich wohl nichts zu sagen. Die letzten Bc-