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Geiste desselben zeugen die oben erwähnten sinnreichen Zusammenstellungenunter verschiedene Rubriken; aber dieses Verfahren entstammt doch eigentlichden Fehlgriffen der Breslauer Schule, welcher Professor Schottky angehört.Nach meiner Ansicht geht die Erkenntniß des ganzen geistigen Lebens im Mit-telalter verloren, wenn man seine einzelne Momente in ein bestimmtes Fach-Werk cinregistrirt; — wie sehr schön und begucm es auch für das größerePublikum sein mag, wenn man, wie in Schottkys Zusammenstellungen mei-stens der Fall ist, z. B. unter der Rubrik Ritterthum gleich Alles beisammenfindet, was auf Erziehung, Leben, Waffen, Festspiele und andere Angelegen-heiten der Ritter Bezug hat; wenn man unter der Frauen-Rubrik alle mög-lichen Dichter-Fragmente und Notizen beisammen findet, die sich auf dasLeben der Frauen im Mittelalter beziehen; wenn dieses ebenso der Fall ist beiJagd, Liebe, Glaube u. s. w, Uebcr den Glauben im Mittelalter gicbtProfessor Schottky (bei Marx in Breslau) nächstens ein Werk heraus, be-titelt: „Gott, Christus und Maria." In der „Zeitschrist für Vergangen-heit und Gegenwart" welche Professor Schottky nächstes Jahr (bei Münk inPosen) herausgiebt, werden wir von ihm gewiß viele der schätzbarsten Aufsätzeüber das Mittelalter und herrliche Resultate seiner Forschungen erhalten, ob-schon diese Zeitschrift auch einen großen Theil der allergegenwärtigsten Gegen-wart umfassen, und zunächst eine literarische Verbindung Ostdeutschlands mitSüd- und Westdeutschland bezwecken soll. Es ist dennoch sehr zu bedauern,daß dieser Gelehrte auf einem Platze lebt, wo ihm die Hülfsmittel fehlen zurBearbeitung und Herausgabe seiner reichen Materialien-Sammlung. - InPosen ist keine Bibliothek; wenigstens keine, die diesen Namen verdiente. Aufder Allee hier, die Berliner Linden in Miniatur, wird jetzt eine Bibliothekgebaut, und, wenn sie fertig ist, mit Büchern allmählig versehen werden, undes wäre schlimm, wenn die Schottky'schen Sammlungen so lange unbearbeitetund dem größcrn Publikum unzugänglich bleiben müßten. Außerdem mußman im wirklichen Deutschland leben, wenn man mit einer Arbeit beschäftigtist, die ein gänzliches Versenken in deutschen Geist und deutsches Wesen noth-wendig erfordert: Den deutschen Alterthumsforscher müssen deutsche Eichenumrauschen. Es ist zu befürchten, daß der heiße Enthusiasmus für dasDeutsche sich in der sarmatischcn Luft abkühle oder verflüchtige. Möge derwackere Schottky jene äußern Anregungen nie entbehren, ohne welche keineungewöhnliche Arbeit gedeihen kann. Es betrifft diese eine unserer heiligstenund wichtigsten Angelegenheiten, unsere Geschichte. Das Interesse für die-selbe ist zwar jetzt nicht sonderlich rege im Volke. Es ist sogar der Fall, daßgegenwärtig das Studium altdeutscher Kunst und Geschichts-Denkmale imAllgemeinen übel accreditirt ist; eben weil es vor mehreren Jahren als Modegetrieben wurde, weil der Schneider-Patriotismus sich damit breit machte, und