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will ich Ihnen nichts schreiben, da sich jetzt ein weit erfahrenerer Altcrthums-forscher, als ich bin, damit beschäftigt, und gewiß bald dem Publikum sielInteressantes darüber mitthcilen wird. Dieser ist der hiesige Professor Maxi-milian Schottky, der sechs Jahre, in Auftrag unserer Regierung, in Wienzubrachte, um dort deutsche Gcschichts- und Sprach-Urkundcn zu sammeln.Angetrieben von einem jugendlichen Enthusiasmus für diese Gegenstände, unddabei unterstützt von dm gründlichsten gelehrten Kenntnissen, hat ProfessorSchottky eine literarische Ausbeute mitgebracht, die der deutsche Alterthnms-'orscher als unschätzbar betrachten kann. Mit einem beispiellosen Fleiße undeiner rastlosen Thätigkeit muß derselbe in Wien gearbeitet haben, da er nichtweniger als sechs und dreißig dicke, und zwar sehr dicke, und fast sämmtlichschön geschriebene Quartbände Manuskript von dort mitgebracht hat. Außerganzen Abschriften altdeutscher Gedichte, die gut gewählt und für die Berlinerund Breslaucr Bibliothek bestimmt sind, enthalten diese Bände auch viele zurHerausgabe schon fertige, große, meistens historische Gedichte und Dichtcr-blüthen des 13. Jahrhunderts, alle durch Sach- und Sprach-Erklärungenund Handschriften-Verglcichnngen gründlich bearbeitet; hicrnächst enthaltendiese Bände prosaische Auflösungen von einigen Gedichten, die größtentheilsdem Sagenkreise des Konig Nrthus angehören, und auch die größere Lescweltansprechen können; ferner viele mit Scharfsinn und Umsicht entworfene Zu-sammenstellungen aus gedruckten und ungedruckten Denkmalen, deren Ueber-schristcn den meisten und wichtigsten Lebensverhältnissen im ganzen Mittel-alter zur Bezeichnung dienen; dann enthalten diese Bände rein geschichtlicheUrkunden, worunter eine in den Haupttheilen vollständige Abschrift der Ge-denkbücher des Kaisers Maximilian I. von 1494—1598, drei starke Quart-bände füllend, und eine Sammlung alter Urkunden, aus späterer Zeit, amwichtigsten sind, weil erstcre das Leben des großen Kaisers und den Geist seinerZeit so treu beleuchten, und letztere, die mit der alten Orthographie genauabgeschrieben sind, über viele Familienverhältnisse des östrcichischcn HausesLicht verbreiten, und nicht jedem zugänglich sind, dem nicht, wie dem ProfessorSchottky, aus besonderer Gunst die Archive geöffnet werden. Endlich ent-halten diese Bände über andcrthalbtausend Lieder, aus alten, verschollenenSammlungen, aus seltenen fliegenden Blättern, und aus dem Munde desVolkes niedergeschrieben! Materialien zur Geschichte der vstreichischen Dicht-kunst, dahin einschlagende Lieder und größere Gedichte, Auszüge seltenerWerke, interessante mündliche Sagen, VolkSsprüchc, durchgezeichnete Schrift-züge der östreichischen Fürsten, eine Menge Hcxcnprozesse in Original-Akten,Nachrichten über Kinderlebcn, Sitten, Feste und Gebräuche in Oestrcich, undeine Menge anderer sehr wichtiger und manchmal wunderlicher Notizen.Zwar von tiefer Kcnntniß des Mittelalters und inniger Vertrautheit mit dem