— 396 —
spiel ist er ziemlich erträglich. Es ist nicht zu verkennen, daß er Anlage zumTragischen hat; aber seinen langen Armen, die bei dem Kniccn Perpendikel -artig hin und her fliegen, muß ich alles Schauspieler-Talent durchaus ab-sprechen. Als „Richard" in „Rosamunde" gefiel er mir aber, und ichübersah manchmal den falschen Pathos, weil solcher im Stücke selbst liegt.In diesem Trauerspiel gefiel mir sogar Herr Munsch, als König, am Endedes zweiten Akts in der unübertrefflichen Knall-Effektscene. Herr Munschpflegt gewöhnlich, wenn er in Leidenschaft gcräth, einem Gebell ähnliche Töneauszustoßen. Demois. Franz, ebenfalls erste Liebhaberin, spielt schlecht ausBescheidenheit; sie hat etwas Sprechendes im Gesicht, nämlich einen Mund.Madam Fabrizius ist ein niedliches Figürchen, und gewiß enchantircnd außerdem Theater. Ihr Mann, Herr Fabrizius, hat in dem Lustspiel: „des Her-zogs Befehl," den großen Fritz so meisterhast parodirt, daß sich die Polizeihätte d'rein mischen sollen. (?) Madam Carlscn ist die Frau von HerrnCarlscu. Aber Herr Vogt ist der Komiker: er sagt es ja selbst, denn er machtden Comödicn-Zettel. Er ist der Liebling der Gallerie, Halden Grundsatz,daß man eine Rolle wie die andere spielen müsse, und ich sah mit Bewunde-rung, daß er demselben getreu blieb als „Fels von Fclscnburg," als dummer„Baron" im „Alpenröschcn," als „Spießbürger-Anführer" im „Bogel-schießen" u. s. w. Es war immer ein und derselbe Herr Ernst Voat mitseiner Fistel-Komik. Einen andern Komiker hat Posen kürzlich gewonnen inHerrn Ackermann, von welchem ich den „Staberle" und die „falsche Cata-lani" mit vielem Vergnügen gesehen. Madam Lentncr ist die Dircktriec derPoscner Bühne, und findet nichts weniger als ihre Rechnung dabei. Vor ihrspielte hier die Köhlersche Truppe, die jetzt in Gncscn ist, und zwar im allcr-dcsolatcstcn Zustande. Der Anblick dieser armen Waisenkinder der deutschenKunst, die, ohne Brod und ohne aufmunternde Liebe, in dem fremden, kaltenPolen herum irren, erfüllte meine Seele mit Wehmuth. Ich habe sie beiGncscn, auf einem freien, mit hohen Eichen romantisch umzäunten Platze,genannt der Waldkrüg, spielen sehen; sie führten ein Schauspiel auf, beti-telt: „Bianka von Toredo, oder die Bestürmung von Castcllnero," ein großesRitter-Schauspiel in fünf Auszügen von Winkler; es wurde viel darin ge-schossen, und gefachten und geritten, und innig rührten mich die armen, ge-ängstigten Pri^cssinncn, deren wirkliche Betrübniß merklich schimmerte durchihre betrübte Deklamation, deren häusliche Dürftigkeit sichtbar hervor guckteaus ihrem fürstlichen Goldflitter-Staate, und auf deren Wangen das Elendnicht ganz von der Schminke bedeckt war. — Vor Kurzem spielte hier aucheine polnische Gesellschaft aus Krakau. Für zweihundert Thaler Abstands-geld überließ ihr Madam Lcntner die Benutzung des Schauspielhauses ausvierzehn Darstellungen. Die Polen gaben meistens Opern. An Parallelen