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5 (1855) Vermische Schriften : erste Abtheilung
Entstehung
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Hahn und dic Vierte hüpft auf einem Beine wie ein Storch. Tins entzücktePublikum aber sperrt cllcnwcit den Mund auf, der Epaulet-Mcnsch ruft! AufEhre, Melpomcue! Thalia! Polyhymnia! Terpsichore! Auch einenThcatcr-Recensenten gicbt es hier. Als wenn die unglückliche Stadt nichtgenug halte an dem bloßen Theater! Dic trefflichen Necensionen dieses treff-lichen Nccenscnten stehen bis jetzt nur in der Poscner Stadt-Zeitung, werdenaber bald als eine Fortsetzung der Lcssing'schen Dramaturgie gesammelt er-scheinen ! ! Doch mag sein, daß mir dieses Provinzial-Thcatcr so schlecht cr-schcint, weil ich just von Berlin komme, und noch zuletzt die Schröck und dieStich sah. Nein, ich will nicht das ganze Poscnsche Theater verdammen; ichbekenne sogar, daß es ein ganz ausgezeichnetes Talent, zwei gute Subjekte undeinige nicht ganz schlechte besitzt. Das ausgezeichnete Talent, wovon ich hierspreche, ist Demois. Paien. Ihre gewöhnliche Nolle ist die erste Liebhaberin.Da ist nicht das weinerliche Lamento und das zierliche Getratsche jener Ge-fühlvollen, die sich für die Bühne berufen glauben, weil sie vielleicht im Lebendic sentimentale oder kokette Rolle mit einigem Sucres gespielt, und dic manvon den Brettern fortpfeifcn möchte, eben weil man sie im einsamen Closetherzlich applaudiren würde. Demois. Paien spielt mit gleichem Glücke auchdic heterogensten Rollen, eineElisabeth" so gilt wie eineMaria." Ambesten gefiel sie mir jedoch im Lustspiel, in Conversations-Stücken, und da be-sonders in jovialen, neckenden Rollen. Sie ergötzte mich königlich alsPan-linc" inSorgen ohne Roth und Roth ohne Sorge." Bei Demois. Paienfand ich ein freies Spielen von innen heraus, eine wohlthuende Sicherheit,eine fortreißende Kühnheit, ja fast Verwegenheit des Spiels, wie wir es nurbei einem ächten, großen Talente gewahren. Ich sah sie ebenfalls mit Ent-zücken in einigen Männer-Rollen, z. B. in derLiebeserklärung" und inWolff'sCäsario;" nur hätte ich hier eine etwas eckige Bewegung der Armezu rügen, welchen Fehler ich aber auf Rechnung der Männer setze, die ihr zumMuster dienen. Demois. Paien ist zu gleicher Zeit Sängerin und Tänzerin,hat ein günstiges Aeußcre, und cS wäre Schade, wenn dieses kunstbegabteMädchen in den Sümpfen herum ziehender Truppen untergehen müßte.

Ein brauchbares Subjekt der Poscner Bühne ist Herr Carlscn, er verdirbtkeine Rolle; auch muß man Madam Paien eine gute Schauspielerin nennen.Sie glänzt in den Rollen lächerlicher Alten. Als GeliebteSchicberlc'S"gefiel sie mir besonders. Sie spielt ebenfalls keck und frei, und hat nicht dengewöhnlichen Fehler derjenigen Schauspielerinnen, die zwar mit vieler Kunstsolche Alte-Weibcrrollcn darstellen, uns aber doch gern merken lassen möchten,daß in der alten Schachtel noch immer eine aimable Frau stecke. Herr Ol-denburg, ein schöner Mann, ist als Liebhaber im Lustspiel unerquicklich undein Muster von Steifheit und Unbeholfenheit z als Held-Liebhaber im Trauer-