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5 (1855) Vermische Schriften : erste Abtheilung
Entstehung
Seite
394
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Andere sind von häuslichen Verhältnissen in Polen festgehalten. Unter ihnenfinden sich auch solche, die sich darin gefallen, daß sie von Deutschland isolirtsind; die sich bestreben, daS bischen Wissenschaftlichkeit, das sich ein Beamter,zum Behuf des Examens, erworben haben mußte, so schnell als möglich wiederauszugähnen; die ihreLebensphilosophic auf eine gute Mahlzeit basirt haben,und die, bei ihrer Kanne schlechten Bieres, geifern gegen die polnischen Edel-Icutc, die alle Tage ungarischen Wein trinken und keine Aktenstöße durchzu-arbeiten brauchen. Von dem preußischen Militair, das in dieser Gegend liegt,brauche ich nicht viel zu sagen; dieses ist, wie uberall, brav, wacker, höflich,treuherzig und ehrlich. Es wird von dem Polen geachtet, weil dieser selbst sol-datischen Sinn hat und der Brave alles Brave schätzt; aber von einem nähe-ren Gefühle ist noch nicht die Rede.

Posen, die Hauptstadt des Großherzogthums, hat ein trübsinniges unerfreu-liches Ansehen. Das einzige Anziehende ist, daß sie eine große Menge katho-lischer Kirchen hat. Aber keine einzige ist schön. Vergebens wallfahrte ichalle Morgen von einer Kirche zur andern, um schöne alte Bilder aufzusuchen.Die alten Gemälde finde ich hier nicht schön, und die einigermaßen schönensind nicht alt. Die Polen haben die fatale Gewohnheit, ihre Kirchen zu rcno-viren. Im uralten Dom zu Gnesen, der ehemaligen Hauptstadt Polens, fandich lauter neue Bilder und neue Verzierungen. Dort intcrcssirtc mich nur diefigurenrcichc, aus Eisen gegossene Kirchenthür, die einst das Thor von Kiewwar, welches der siegreiche Boguslaw erbeutete, und worin noch sein Schwert-Hieb zu sehen ist. Der Kaiser Napoleon hat sich, als er in Gncscu war, einStückchen aus dieser Thür herausschneiden lassen, und diese hat, durch solchehohe Aufmerksamkeit, noch mehr an Werth gewonnen. In dem GncscuerDom hörte ich auch, nach der ersten Messe, einen vierstimmigen Gesang, dender heilige Adalbert, der dort begraben liegt, selbst componirt haben soll und deralle Sonntage gesungen wird. Der Dom hier in Posen ist neu, hat wenig-stens ein neues Ansehen; und folglich gefiel er mir nicht. Neben demselbenliegt der Palast des Erzbischofs, der auch zugleich Erzbischof von Gnesen, undfolglich zugleich römischer Cardinal ist, und folglich rothe Strümpfe trägt.Er ist ein sehr gebildeter, französisch-urbaner Mann, weißhaarig und klein.Der hohe Clcrus in Polen gehört immer zu den vornehmsten adlichcn Fami-lien; der niedere Clerus gehört zum Plebs, ist roh, unwissend und rauschlic-bend. Ideen-Assoziation führt mich direkt auf das Theater. Ein schönesGebäude haben die hiesigen Einwohner den Musen zur Wohnung angewiesen;aber die göttlichen Damen sind nicht eingezogen, und schickten nach Posen blosihre Kammerjungscrn, die sich mit der Garderobe ihrer Herrschaft putzen undauf den geduldigen Brettern ihr Wesen treiben. Die Eine spreizt sich wie einePfau, die Andere flattert wie eine Schnepfe, die Dritte kollert wie ein Trut-