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5 (1855) Vermische Schriften : erste Abtheilung
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lang mit der sämmtlichcn Familie beisammen bleiben, mit wohleingcpacktenBetten nomadisch hernm reisen; so daß eS mir vorkam, als sei das ganze Grvß-herzogthum Posen eine große Stadt, wo nur die Häuser etwas meilenweitvon einander entfernt stehen, und in mancher Hinsicht sogar eine kleine Stadt,weil die Polen sich Alle kennen, Jeder mit den Familien-Verhältnissen undAngelegenheiten des Andern genau bekannt ist, und diese gar oft, auf klein-städtische Weise, Gegenstände der Unterhaltung werden. Dennoch ist diesesrauschende Treiben, welches dann und wann auf den polnischen Landgüternherrscht, der Erziehung der Jugend nicht so schädlich, wie das Geräusch derStädte, das sich jeden Augenblick in seinen Tonarten verändert, den Geist derJugend von der Naturanschauung abwendet, durch Mannigfaltigkeit zersplit-tert und durch Ueberreiz abstumpft. Ja, jene zuweilige Störung im länd-lichen Stilllebcn ist der Jugend sogar heilsam, da sie wieder anregt und auf-wühlt, wenn der Geist durch die immerwährende äußere Ruhe versumpfen,oder, wie man es nennt, versauern möchte: eine Gefahr, die bei uns so oft vor-handen. Das frische, freie Landleben in der Jugend hat gewiß am meisten dazubeigetragen, den Polen jenen großen starken Charakter zu verleihen, den sie imKriege und im Unglück zeigen. Sie bekommen dadurch einen gesunden Geistin einem gesunden Körper; dieses bedarf der Gelehrte eben so gut wie der Sol-dat. Die Geschichte zeigt uns, wie die meisten Menschen, die etwas Großesgethan, ihre Jugend im Stillleben verbrachten. Ich habe in der letzten Zeitdie Erziehung der Mönche im Mittelalter so sehr lobpreisen gehört; manrühmte die Methode in den Klostcrschulcn und nannte die daraus hervor ge-gcgangcncn großen Männer, deren Geist sogar in unserer absonderlich geist-reichen Zeit etwas gelten würde; aber man vergaß, daß es nicht die Mönche,sondern die mönchische Eingezogenheit, nicht die Kloster-Schulmcthode, sonderndie stille Klösterlichkcit selbst war, die jene Geister nährte und stärkte. Wennman unsere Erzichungs-Jnstitutc mit einer Mauer umgäbe, so würde diesesmehr wirken, als alle unsere pädagogischen Systeme, sowohl idcalisch-huma-nistische, als praktisch-Basedowsche. Geschähe dasselbe bei unfern Mädchen-Pensionen, die jetzt so hübsch frei dastehen zwischen dem Schauspiclhause unddem Tanzhausc, und der Wachtparade gegenüber, so verlören unsere Pensionär-rinnen ihre kaleydoskopartige Phantasterei und neudramatische Wassersuppen-Sentimentalität.

Von den Bewohnern der preußisch polnischen Städte will ich Ihnen nichtviel schreiben; es ist ein Mischvolk von preußischen Beamten, ausgewandertenDeutschen, Wasserpolcn, Polen, Juden, Militair u. f. w. Die preußischendeutschen Beamten fühlen sich von den polnischen Edellcuten nicht eben zuvor-kommend behandelt. Viele deutsche Beamten werden oft, ohne ihren Willen,nach Polen versetzt, suchen aber sobald als möglich wieder heraus zu kommen;