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5 (1855) Vermische Schriften : erste Abtheilung
Entstehung
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unverhältnißmäßig aus der Universalgeschichte hervorhebe»; aber desto mehrwird man auch für Erhaltung Alles desjenigen Sorge trage», was für diepolnische Geschichte wichtig ist, und dieses um so ängstlicher, da man, wegender heillosen Weise, wie man mit den Büchern der Warschauer Bibliothek imletzten Kriege verfahren, in Sorge ist, alle polnischen National-Denkmale undUrkunden möchten untergehen; deßhalb, scheint es, hat kürzlich ein SamopSkieine Bibliothek für die polnische Geschichte im fernen Edinburg gegründet.Ich mache Sie aufmerksam auf die vielen neuen Werke, welche nächstens diePressen Warschau's verlassen, und was die schon vorhandene polnische Lite-ratur betrifft, so verweise ich Sie deßhalb auf das sehr geistreiche Werk vonKaulfus. Ich hege die größten Erwartungen von dieser geistigen Umwäl-zung Polens, und das ganze Volk kommt mir vor, wie ein alter Soldat, dersein erprobtes Schwert mit dem Lorbeer an den Nagel hängt, zu den milderenKünsten des Friedens sich wendet, den Geschichten der Vergangenheit nachsinnt,die Kräfte der Natur erforscht und die Sterne mißt, oder gar die Kürze undLänge der Sylben, wie wir es bei Carnot sehen. Der Pole wird die Federeben so gut führen wie die Lanze, und wird sich eben so tapfer zeigen auf demGebiete des Wissens, als auf den bekannten Schlachtfeldern. Eben weil dieGeister so lange brach lagen, wird die Saat in ihnen desto mannigfaltigereund üppigere Früchte tragen. Bei viele» Völkern Europa's ist der Geist, ebendurch seine vielen Reibungen, schon ziemlich abgestumpft, und durch denTriumph seines Bestrebens, durch sein Sichsclbsterkennen, hat er sich sogar hieund da selbst zerstören müssen. Außerdem werden die Polen von den viel-hundertjährigcn Gcistes-Anstrengungcn des übrigen Europa die reinen Re-sultate in Empfang nehmen, und während diejenigen Völker, welche bisher andem babylonischen Thurmbau europäischer Cultur mühsam arbeiteten, erschöpftsind, werden unsere neuen Ankömmlinge, mit ihrer slavischen Behendigkeitund noch unerschlafften Rüstigkeit, das Werk weiter fördern. Hierzu kommtnoch, daß die wenigsten dieser neuen Arbeiter für Tagclohn Handlangern, wieder Fall ist bei uns in Deutschland, wo die Wissenschaften ein Gewerbe undzünftig sind, und wo selbst die Muse eine Milchkuh ist, die so lange für Ho-norar abgemelkt wird, bis sie reineSWasser giebt. Die Polen, welche sich jetztauf Wissenschaften und Künste werfen, sind Edclleute, und haben meistensPrivat-Vermögen genug, um nicht zu ihrem Lebensunterhalt auf den Ertragihrer Kenntnisse und wissenschaftlichen Leistungen angewiesen zu sein. Unbe-rechenbar ist dieser Vorzug. Herrliches zwar hat schon der Hunger hervorge-bracht, aber noch viel Herrlicheres die Liebe. Auch das Lokal begünstigt diegeistigen Fortschritte der Polen: nämlich ihre Erziehung auf dem Lande. Daspolnische Landleben ist nicht so geräuschlos und cinsamlich, wie das unsrige,da die polnischen Edelleute sich auf zehn Stunden weit besuchen, oft Wochen