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5 (1855) Vermische Schriften : erste Abtheilung
Entstehung
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Edcllcutc. Nur wenige derselben werden in den Städten erzogen; die meistenKnaben bleiben auf den Landgütern ihrer Angehörigen, bis sie erwachsen sind,und durch die nicht gar zu großen Bemühungen eines Hofmeisters, oder durcheinen nicht gar zu langen Schulbesuch, oder durch das bloße Walten der liebenNatur, in den Stand gesetzt sind, Kriegsdienste zu nehmen, oder eine Uni-versität zu beziehen, oder von der bärenlcckenden Lutetia die Weihe der höchstenAusbildung zu empfangen. Da nicht Allen hierzu dieselben Mittel zu Gebotstehen, so ist es einleuchtend, daß man einen Unterschied machen muß zwischenarmen Edclleuten, reichen Edclleutcn und Magnaten. Erstcre leben oft höchstjämmerlich, fast wie der Bauer, und machen keine besonderen Ansprüche anCultur. Bei den reichen Edelleuten und den Magnaten ist die Unterscheidungnicht schroff, dem Fremden ist sie sogar sehr wenig bemerkbar. An und fürsich selbst ist die Würde eines polnischen Edelmanns zoiviz xolonus) bei demärmsten wie bei dem reichsten von demselben Umfange und demselben inncrnWcrthc. Aber an die Namen gewisser Familien, die sich immer durch großenGlltcrbcsitz und durch Verdienste um den Staat ausgezeichnet, hat sich dieIdee einer höhcrn Würde geknüpft, und man bezeichnet sie gemeiniglich mitdem Namen Magnaten. Die ChartoriSkis, die Radzivils, die SamoyskiS,die Sapichas, die Poniatowkis, die PotockiS u. s. w. werden zwar eben sogut als bloße polnische Edcllcute betrachtet, wie mancher arme Edelmann, dervielleicht hinterm Pflug geht; dennoch sind sie der höhere Adel äs kaoto, wennauch nicht <Zo nomine. Ihr Ansehen ist sogar fester begründet als das vonunserm hohen Adel, weil sie selbst sich ihre Würde gegeben, und weil nichtblos manches geschnürte alte Fräulein, sondern das ganzeVolk ihren Stamm-baum im Kopfe trägt. Die Benennung Starost findet man jetzt selten, undsie ist ein bloßer Titel geworden. Der Name Graf ist ebenfalls bei den Polenein bloßer Titel, und es sind nur von Preußen und Oesterreich einige derselbenvcrtheilt. Von Adelstolz gegen Bürgerliche wissen die Polen nichts und erkann sich nur in Ländern bilden, wo ein mächtiger, und mit Ansprüchen her-vortretender Burgcrstand sich erhebt. Erst dann, wenn der polnische BauerGüter kaufe» wird, und der polnische Jude sich nicht mehr dem Edelmannzuvorkommend erzeigt, möchte sich bei diesem der Adclstolz regen, der also dasEmporkommen des Landes beweisen würde. Weil hier die Juden höher alsdie Bauern gestellt sind, müssen sie zuerst mit diesem Adclstolze collidiren;aber die Sache wird gewiß alsdaun einen religiöseren Namen annehmen.

Dieses hier nur flüchtig angedeutete Wesen des polnischen Adels hat, wieman sich denken kann, am meisten beigetragen zu der höchst wunderlichen Ge-staltung von Polens politischer Geschichte, und die Einflüsse dieser letztern aufdie Erziehung der Polen, und also auf ihren Nationalcharaktcr, waren fastnoch wichtiger als die oben erwähnten Einflüsse des Bodens. Durch die Idee

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