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5 (1855) Vermische Schriften : erste Abtheilung
Entstehung
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die Menschen, und zwar besonders die nobelste Sorte, die Edelleute, verdienenhier in Polen die Anfmcrksamkcit des Reisenden. Und wahrlich, ich solltedenken, wenn man einen kräftigen, ächten polnischen Edelmann, oder eineschöne edle Polin in ihrem wahren Glänze sieht, so könnte dieses die Seeleeben so erfreuen, wie etwa der Anblick einer romantischen Felscnburg, odereiner marmornen Medizäerin. Ich lieferte Ihnen sehr gerne eine Charakter-schilderung der polnischen Edelleutc, und das gäbe eine sehr kostbare Mosaik-Arbeit von den Adjektiven: gastfrei, stolz, muthig, geschmeidig, falsch (diesesgelbe Stcinchcn darf nicht fehlen), reizbar, enthusiastisch, spielsüchtig, lebens-lustig, edelmüthig und übermüthig. Aber ich selbst habe zu oft geeifert gegenunsre Broschürenscribler, die, wenn sie einen Pariser Tanzmcister hüpfensehen, aus dem Stegreif die Charakteristik eines Volkes schreiben, und die, wenn sie einen dicken LiverpoolerBaumwollenhä'ndlcr jähncn sahen, ans der Stelle eine Benrtheilnng jenesVolkes liefern, Dieseallgemeinen Charakteristiken sind die Quelle aller Ucbel. Es gehört mehr alsein Mcnschcnaltcr dazu, um den Charakter eines einzigen Menschen zu begrei-fen: und aus Millionen einzelnen Menschen besteht eine Nation. Nur wennwir die Geschichte eines Menschen, die Geschichte seiner Erziehung und seinesLebens, betrachten, wird es uns möglich, einzelne Hauptzllgc seines Charaktersaufzufassen. Bei Menschenklassen, deren einzelne Glieder durch Erziehungund Leben eine gleiche Richtung gewinnen, müssen sich indessen einige hervor-tretende Charakterzüge bemerken lassen; dies ist bei den polnischen Edellcutcnder Fall, und nur von diesem Standpunkte aus läßt sich etwas Allgemeines4ibcr ihren Charakter anSmittcln. Die Erziehung selbst wird überall undimmer bedingt durch das Lokale, und durch das Temporale, durch den Bodenund durch die politische Geschichte. In Polen ist ersteres weit mehr der Fallals irgendwo. Polen liegt zwischen Rußland und Frankreich. Das nochvor Frankreich liegende Deutschland will ich nicht rechnen, da ein großer Theilder Polen es ungerechter Weise wie einen breiten Sumpf ansah, den manschnell überspringen müsse, um nach dem gebenedcitcn Lande zu gelangen, wodie Sitten und die Pomaden am feinsten fabrizirt werden. Den heterogen-sten Einflüssen war Polen dadurch ausgeseht. Eindringende Barbarei vonOsten, durch die feindlichen Berührungen mit Rußland; eindringende Ucber-cultur von Westen, durch die freundschaftlichen Berührungen mit Frankreich:daher jene seltsamen Mischungen von Cnltur und Barbarei im Charakter undim häuslichen Leben der Polen. Ich sage just nicht, daß alle Barbarei vonOsten eingedrungen, ein sehr beträchtlicher Theil mag im Lande selbst vor-räthig gewesen sein; aber in der neuern Zeit war dieses Eindringen sehr sicht-bar. Einen Haupteinflnß übt das Landleben auf den Charakter der polnischen