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5 (1855) Vermische Schriften : erste Abtheilung
Entstehung
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jener zerlumpten Schmutzgcstalten; und die hochherzige Rede eines für Turn-platz und Vaterland begeisterten Terzianers hätte nicht so zerreißend meineOhren martern können, als der polnische Juden-Jargon. Dennoch wurdeder Ekel bald verdrängt von Mitleid, nachdem ich den Zustand dieser Menschennäher betrachtete, und die schweinestallartigcn Löcher sah, worin sie wohnen,mauscheln, beten, schachern und elend sind. Ihre Sprache ist ein mitHebräisch durchwirktcs, und mit Polnisch faconnirtes Deutsch. Sie sind insehr frühen Zeiten wegen Rcligions-Vcrfolgung aus Deutschland nach Poleneingewandert; denn die Polen haben sich in solchen Fällen immer durch Tole-ranz ausgezeichnet. Als Frömmlinge einem polnischen Könige riethen, diepolnischen Protestanten zum Katholizismus zurück zu zwingen, antwortetederselbe: "Luin rox xopularum sock non oonsoientiarnm! " Die Judenbrachten zuerst Gewerbe und Handel nach Polen und wurden unter Casimirdem Großen mit bedeutenden Privilegien begünstigt. Sie scheinen dem Adelweit näher gestanden zu haben als den Bauern; denn nach einem alten Gesetzewurde der Jude durch seinen Uebertritt zum Christenthum eo ipso in denAdelstand erhoben. Ich weiß nicht, ob und warum dieses Gesetz unter-gegangen und was etwa mit Bestimmtheit im Werthe gesunken ist. Injenen frühem Zeiten standen indessen die Juden in Cultur und GeistesauS-bildung gewiß weit über dem Edelmann, der nur das rauhe Kriegshandwerktrieb, und noch den französischen Firniß entbehrte. Jene aber beschäftigtensich wenigstens imnrer mit ihren hebräischen Wissenschaft- und Neligions-Büchern, um derentwillen eben sie Vaterland und Lebens-Bchaglichkeit ver-lassen. Aber sie sind offenbar mit der europäischen Cultur nicht fortgeschrit-ten und ihre GcistcSwelt versumpfte zu einem unerquicklichen Aberglauben/den eine spitzfindige Scholastik in tausenderlei wunderliche Formen hineinquetscht. Dennoch, trotz der barbarischen Pelzmütze, die seinen Kopf bedeckt,und der noch barbarischeren Ideen, die denselben füllen, schätze ich den polni-schen Juden weit höher als so manchen deutschen Juden, der seinen Bolivarauf dem Kopf, und seinen Jean Paul im Kopfe trägt. In der schroffenAbgeschlossenheit wurde der Charakter des polnischen Juden ein Ganzes;durch das Einathmcn toleranter Luft bekam dieser Charakter den Stempel derFreiheit. Der innere Mensch wurde kein quodlibctartiges Compositum hetero-gener Gefühle und verkümmerte nicht durch die Einzwängung FrankfurterJudengaßmauern, hochweiscr Stadt-Verordnungen und liebreicher Gesetz-Beschränkungen. Der polnische Jude mit seinem schmutzigen Pelze, mitseinem bevölkerten Barte und Knoblauchgeruch und Gcmauschel, ist mir nochimmer lieber als Mancher in all seiner staatspapicrnen Herrlichkeit.

Wie ich bereits oben bemerkt, dürfen Sie in diesem Briefe keine Schilde-rungen reizender Natursccnen, herrlicher Kunstwerke u.s. w. erwarten; nur