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5 (1855) Vermische Schriften : erste Abtheilung
Entstehung
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genossen; ich will daher nichts Bestimmtes von polnischen Juden überhauptsprechen, und verweise sie lieber aus David Friesländer'S:lieber die Ver-besserung der Israeliten (Juden) im Königreich Polen; Berlin 1819." Seitdem Erscheinen dieses Buches, das, bis aus eine zu ungerechte Vcrkennung derVerdienste und der sittlichen Bedeutung der Nabbinen, mit einer seltenenWahrheits- und Menschenliebe geschrieben ist, hat sich der Zustand der polnischenJuden wahrscheinlich nicht gar besonders verändert. Im Großherzogthumsollen sie einst, wie noch im übrigen Polen, alle Handwerke ausschließlich ge-trieben haben; jetzt aber sieht man viele christliche Handwerker aus Deutsch-land einwandern, und auch die polnischen Bauern scheinen an Handwerkenund andern Gewerben mehr Geschmack zu finden. Seltsam aber ist es, daßder gemeine Pole gewöhnlich Schuster oder Bierbrauer und Branteweinbren-ner wird. In der Walischey, einer Vorstadt Posens, fand ich das zweiteHaus immer mit einem Schuhmacher-Schilde verziert, und ich dachte an dieStadt Bradfort in Shakespeare'sNurschütz von Wakefield." Im preußi-schen Polen erlangen die Juden kein Staatsamt, die sich nicht taufen lassen;im russischen Polen werden auch die Juden zu allen Staats-Aemtern zuge-lassen, weil man es dort für zweckmäßig hält. Uebrigens ist der Arsenik inden dortigen Bergwerken auch noch nicht zu einer überfrommcn Philosophiesnblimirt, und die Wölfe in den altpolnischen Wäldern sind noch nicht darausabgerichtet, mit historischen Citaten zu heulen.

Es wäre zu wünschen, daß unsere Regierung, durch zweckmäßige Mittel,den Juden des Großherzogthums mehr Liebe zum Ackerbau einzuflößen suchte;denn jüdische Ackerbauer soll es hier nur sehr wenige geben. Im russischenPolen sind sie häufig. Die Abneigung gegen den Pflug soll bei den polni-schen Juden daher entstanden sein, weil sie ehemals den leibeigenen Bauer ineinem äußerlich so sehr traurigen Zustande sahen. Hebt sich jetzt der Bauern-stand aus seiner Erniedrigung, so werden auch die Juden zum Pflug greisen.Bis auf wenige Ausnahmen sind alle Wirthshäuser Polens in den Händender Inden und ihre vielen Branntwein-Brennereien werden dem Lande sehrschädlich, indem die Bauern dadurch zur Völlerei angereizt werden. Aber ichhabe ja schon oben gezeigt, wie das Branntwcintrinkcn zur Seligmachung derBauern geHort. Jeder Edelmann hat einen Juden im Dorf oder in derStadt, den er Faktor nennt, und der alle seine Commissionen, Ein-und Ver-käufe, Erkundigungen n. s. w. ausführt. Eine originelle Einrichtung, welchegapz die Bequemlichkeitslicbe der polnischen Edelleute zeigt. Das Aeußcredes polnischen Juden ist schrecklich. Mich überläuft ein Schauder, wenn ichdaran denke, wie ich hinter Meseritz zuerst ein polnisches Dorf sah, meistensvon Juden bewohnt. Das Wckschc Wochenblatt, auch zu pbpsischcm Breigekocht, hätte mich nicht so brcchpulverisch anwidern könne», als der Anblick