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5 (1855) Vermische Schriften : erste Abtheilung
Entstehung
Seite
380
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und drittens, sich voll zu saufen. Den, durch das dritte Geschäft gewiß Se-liggcwordenen sieht man des Sonntags, alleVicre ausgestreckt, in einer Stra-ßengvsse liegen, sinneberaubt und umgeben von einem Haufen Freunde, die, inwehmüthigcr Gruppirung, die Betrachtung zu machen scheinen! daß der Menschhienicden so wenig vertragen kann! Was ist der Mensch, wenn drei Kan-nen Schnaps ihn zu Bvden werfen! Aber die Polen haben es doch im Trin-ken übermenschlich weit gebracht.Der Bauer ist von gutem Körperbau, stark-stämmig, soldatischen Ansehens, und hat gewöhnlich blondes Haar; die Meistenlassen dasselbe lang herunter wallen. Dadurch haben so viele Bauern dieUUoa xolouioa (Weichselzopf), eine sehr anmuthige Krankheit, womit auchwir hoffentlich einst gesegnet werden, wenn das Lange-Haarthum in den deut-schen Gauen allgemeiner wird. Die Unterwürfigkeit des polnischen Bauersgegen den Edelmann ist empörend. Er beugt sich mit dem Kopf fast bis zuden Füßen des gnädigen Herrn, und spricht die Formel: Ich küsse die Füße.Wer den Gehorsam personifizirt haben will, sehe einen polnischen Bauer vorseinem Edelmann stehen; es fehlt nur der wedelnde Hundeschweis. Bei einemsolchen Anblick denke ich unwillkllhrlich: Und Gott erschuf den Menschen nachseinem Ebenbilde! und es ergreift mich ein unendlicher Schmerz, wenn icheinen Menschen vor einem andern so tief erniedrigt sehe. Nur vor dem Kö-nige soll man sich bcngcn; bis auf dieses letztere Glaubensgcsetz bekenne ich michganz zum nordamerikanischen Katechismus. Ich leugne es nicht, daß ich dieBäume der Flur mehr liebe als Stammbäume, daß ich das Mcnschenrechtmehr achte als das canonische Recht, und daß ich die Gebote der Vernunft höherschätze als die Abstraktionen kurzsichtiger Historiker; wenn sie mich aber fragen:ob der polnische Bauer wirklich unglücklich ist, und ob seine Lage besser wird,wenn jetzt aus den gedrückten Hörigen lauter freie Eigenthümcr gemacht wer-den? so müßte ich lügen, sollte ich diese Frage unbedingt bejahen. Wenn manden Begriff von Glücklichscin in seiner Relativität auffaßt, und sich wohl merkt,daß es kein Unglück ist, wenn man von Jugend auf gewöhnt ist, den ganzenTag zu arbeiten und Lebensbequemlichkeiten zu entbehren, die man gar nichtkennt, so muß man gestehen, daß der polnische Bauer im eigentlichen Sinnenicht unglücklich ist: um so mchr^ da er gar nichts hat, und folglich in dergroßen Sorglosigkeit, die ja von Vielen als das höchste Glück geschildert wird,sein Leben'dahin lebt. Aber es ist keine Ironie, wenn ich sage, daß, im Fallman jetzt die polnischen Bauern plötzlich zu selbstständigcn Eigenthümernmachte, sie sich gewiß bald in der unbehaglichsten Lage von der Welt befindenund Manche gewiß dadurch in größeres Elend gerathen würden. Bei seinerjetzt zur zweiten Natur gewordenen Sorglosigkeit würde der Bauer sein Eigcn-thum schlecht verwalten, und träfe ihn ein Unglück, war' er ganz und gar ver-loren. Wenn jetzt ein Mißwachs ist, so muß der Edelmann dem Bauer von