Seit einigen Monaten habe ich den preußischen Thcii Polens die Kreuz unddie Quecr durchstreift; in dem russischen Theil bin ich nicht weit gekommen:nach dem österreichischen gar nicht. Von den Menschen Hab' ich sehr viele, undans allen Theilen Polens, kennen gelernt. Diese waren freilich meistens nurEdelleute, und zwar die vornehmsten. Aber wenn auch mein Leib sich blos inden Kreisen der höheren Gesellschaft, in dem Schloßbann der polnischen Großen,bewegte, so schweifte der Geist doch oft auch in den Hütten des Niedern Volks.Hier habe» Sic den Standpunkt für die Würdigung meines Urtheils überPole».
Vom Acußcrcn des Landes wüßte ich Ihnen nicht viel Reizendes mitznthci-lcn. Hier sind nirgends pikante Fclsengruppen, romantische Wasserfälle,Nachtigallen-Gehölzen, s. w.; hier giebt es nur weite Flächen von Acker-land, das meistens gut ist, und dicke, mürrische Fichtenwälder. Polen lebtnur von Ackerbau und Viehzucht; von Fabriken und Industrie giebt es hierfast keine Spur. Den traurigsten Anblick geben die polnischen Dörfer: nie-dere Ställe von Lehm, mit dünnen Latten oder Binsen bedeckt. In diesen lebtder polnische Bauer mit seinem Vieh und seiner übrigen Familie, erfreut sichseines Daseins und denkt an nichts weniger, als an die — ästhetischen P u st-kuchen. Leugnen läßt es sich indessen nicht, daß der polnische Bauer oft mehrVerstand und Gefühl hat, als der deutsche Bauer in manchen Ländern. Nichtselten fand ich bei dem geringsten Polen jenen originellen Witz (nicht Ge-rnllthswitz, Humor), der bei jedem Anlaß mit wunderlichem Farbenspiel her-vorsprudelt, und jenen schwärmerisch-sentimentalen Zug, jenes brillante Auf-leuchten eines Össianschen NaturgcfühlS, dessen plötzliches Hervorbrechen beileidenschaftlichen Anlässen eben so »nwillkllhrlich ist, wie das Jnsgcsichtsteigendes Blutes. Der polnische Bauer trägt noch seine Nationaltracht: eine Jackeohne Aermel, die bis zur Mitte der Schenkel reicht; darüber einen Oberrockmit hellen Schnüren besetzt. Letzterer, gewöhnlich von hellblauer oder grünerFarbe, ist das grobe Original jener feinen Polen-Röcke unserer Elegants. DenKopf bedeckt ein kleines rundes Hütchen, weißgerändert, oben wie ein abgekapp-ter Kegel spitz zulaufend, und vorn mit bunte» Bandschleifen oder miteinigen Pfauenfedern geschmückt. In diesem Costüm sieht man den polnischenBauer des Sonntags nach der Stadt wandern, um dort ein dreifaches Ge-schäft zu verrichten: erstens, sich rasircn zu lassen; zweitens, die Messe zu hören,
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