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5 (1855) Vermische Schriften : erste Abtheilung
Entstehung
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zur Beleuchtung, und das adelthümliche Element ist darin noch eben so mäch-tig wie das volksthümliche. Dieses adelthümliche, chcvalercske, aristokratischeElement verschwindet aber ganz in dem Roman der Engländer, die den Cer-vantes zuerst nachgeahmt und ihn bis aufdcn heutigen Tag immer als Vor-lnld vor Augen haben. Es sind prosaische Naturen, diese englischen Roman-dichter seit Richard sons Regierung, der prüde Geist ihrer Zeit widerstrebtsogar aller kernigen Schilderung des gemeinen Volkslebens, und wir sehenjenseits des Canals jene bürgerlichen Romane entstehen, worin das nüchterneKleinlebcn der Bourgeoisie sich abspiegelt. Diese klägliche Lccture übcrwäs-scrtc das englische Publicum bis auf die letzte Zeit, wo der große Schotte auf-trat, der im Roman eine Revolution oder eigentlich eine Restauration bewirkte.Wie nämlich Cervantes das demokratische Element in den Roman hinein-brachte,' als darin nur das einseitig ritterthümliche herrschend war: so brachteWalter Scott in den Roman wieder das aristokratische Element zurück,als dieses gänzlich darin erloschen war, und nur prosaische Spießbürgerlichkeitdort ihr Wesen trieb. Durch ein entgegengesetztes Verfahren hat WalterScott dem Roman jenes schöne Ebenmaß wieder gegeben, welches wir imDon Quixote des Cervantes bewundern.

Ich glaube, in dieser Beziehung ist das Verdienst des zweite» großen Dich-ters Englands noch nie anerkannt worden. Seine tory'schen Neigungen,seine Vorliebe für die Vergangenheit waren heilsam für die Literatur, für jeneMeisterwerke seines Genius, die überall sowohl Anklang als Nachahmungfanden und die aschgrauen Schemen des bürgerlichen Romans in die dunlle-ren Winkel der Leihbibliotheken verdrängten. Es ist ein Jrrthum, wennmau Walter Scott nicht als den wahren Begründer des sogenannten hi-storischen Romans ansehen will und Letztern von deutschon Anregungen her-leitet. Man verkennt, daß das Charakteristische der historischen Romane ebenin der Harmonie des aristokratische» und demokratischen Elements besteht; daßWalter Scott diese Harmonie, welche während der Alleinherrschaft desdemokratischen Elements gestört war, durch die Wiedereinsetzung des aristokra-tischen Elements auf's schönste herstellte, statt daß unsere deutschen Romanti-ker das demokratische Element in ihren Romanen gänzlich verleugneten undwieder in das aberwitzige Gleise des Rittcrromans, der vor C crv an tcs blühte,zurückkehrten. Unser de laMotte Fougus ist nichts als ein Nachzüglerjener Dichter, die den Nmadis von Gallien und ähnliche Abenteuerlich-keiten zur Welt gebracht, und ich bewundere nicht bloß das Talent, sondernauch den Mnth, womit der edle Freiherr zweihundert Jahre nach dem Erschei-nen des Don Quixote seine Ritterbücher geschrieben hat. Es war einesonderbare Periode in Deutschland, als letztere erschienen, und das Publicumdaran Gefallen fand. Was bedeutete in der Literatur diese Vorliebe für das