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5 (1855) Vermische Schriften : erste Abtheilung
Entstehung
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ein armer Schriftsteller mit seiner Feder: er richtete die Ritterromane so gründ-lich zu Grunde, daß bald nach dem Erscheinen des Don Quixote der Ge-schmack für jene Bücher in ganz Spanien erlosch, und auch keins derselbenmehr gedruckt ward. Aber die Feder des Genius ist immer größer als er sel-ber, sie reicht immer weit hinaus über seine zeitlichen Absichten, und ohne daßer sich dessen klar bewußt wurde, schrieb Cervantes die größte Satire gegendie menschliche Begeisterung. Nimmermehr ahnte er dieses, er selber, derHeld, welcher den größten Theil seines Lebens in ritterlichen Kämpfen zuge-bracht hatte und im späten Alter sich noch oft darüber freute, daß er in derSchlacht bei Lepanto mitgefochten, obgleich er diesen Ruhm mit dem Ver-luste seiner linken Hand bezahlt hatte.

Ueber Person und Lebensverhältnisse des Dichters, der den Don Quixotegeschrieben, weiß der Biograph nur Weniges zu melden. Wir verlieren nichtviel durch solchen Mangel an Notizen, die gewöhnlich bei den Frau Basen derNachbarschaft aufgegabelt werden. Diese sehen ja nur die Hülle; wir abersehen den Mann selbst, seine wahre, treue, unverlcumdete Gestalt.

Er war ein schöner, kräftiger Mann, Don Miguel Cervantes deSaavedra. Seine Stirn war hoch und sein Herz war weit. Wunder-sam war die Zauberkraft seines Auges. Wie es Leute giebt, welche durch dieErde schauen und die darin begrabenen Schätze oder L«ichcn sehen können, sodrang das Auge des großen Dichters durch die Brust der Menschen, und ersah deutlich, was dort vergraben. Den Guten war sein Blick ein Sonnen-strahl, der ihr Inneres freudig erhellte; den Bösen war sein Blick ein Schwert,das ihre Gefühle grausam zerschnitt. Sein Blick drang forschend in die Seeleeines Menschen und sprach mit ihr, und wenn sie nicht antworten wollte, fol-terte er sie, und die Seele lag blutend aus der Folter, während vielleicht ihreleibliche Hülle sich herablassend vornehm gcberdete. Was Wunder, daß ihmdadurch sehr viele Leute abhold wurden, und ihn auf seiner irdischen Laufbahnnur saumselig beförderten! Auch «Mngte er niemals zu Rang und Wohl-stand, und von all seinen mühseligen Pilgerfahrten brachte er keine Perlen,sondern nur leere Muscheln nach Hause. Man sagt, er habe den Werth desGeldes nicht zu schätzen gewußt; aber ich versichere euch, er wußte den Werthdes Geldes sehr zu schätzen, sobald er keins mehr hatte. Nie aber schätzte eres so hoch, wie seine Ehre. Er hatte Schulden, und in einer von ihm verfaß-ten Charte, die Apollo den Dichtern octropirt, bestimmt der erste Paragraph,wenn ein Dichter versichert, kein Geld zu haben, so solle man ihm auf's Wortglauben und keinen Eid von ihm verlangen. Er liebte Musik, Blumen undWeiber. Doch auch in der Liebe für Letztere ging es ihm manchmal herzlichschlecht, namentlich als er noch jung war. Konnte das Bewußtsein künftigerGröße ihn genugsam trösten in seiner Jugend, wenn schnippische Rosen ihn