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ihn ZU lachen. Der Kerl ist ein Narr, sagte ich. Doch, sonderbarer Weise,auf allen meinen Lcbensfahrten verfolgten mich die Schattenbilder des dürrenRitters und seines fetten Knappen, namentlich wenn ich an einen bedenklichenScheideweg gelangte. So erinnere ich mich, als ich nach Frankreich reiste undeines Morgens im Wagen aus einem fieberhaften Halbschlummer erwachte,sah ich im Frühnebel zwei wohlbekannte Gestalten neben mir einher reiten,und die eine, an meiner rechten Seite, war Don Leuirotc von derMancha aus seinem abstracten Roz in ante, und die andere, zu meinerLinken, war Sancho Pansaauf seinem positiven Grauchen. Wir hatteneben die französische Grenze erreicht. Der alte Manchancr beugte ehrfurchts-voll das Haupt vor der dreifarbigen Fahne, die uns vom hohen Grenzpfahlentgegen flatterte, der gute Sancho grüßte mit etwas kühlerem Kopfnickendie ersten französischen Gcnsdarmen, die unfern zum Vorschein kamen; end-lich aber jagten beide Freunde mir voran, ich verlor sie ans dem Gesichte, undnur noch zuweilen hörte ich Rozinante's begeistertes Gewieher und diebejahenden Töne des Esels.
Ich war damals der Meinung, die Lächerlichkeit des Donquixotismus bestehedarin, daß der edle Ritter eine längst abgelebte Vergangenheit in's Lebenzurückrufen wollte, und seine armen Glieder, namentlich sein Rücken, mit denThatsachen der Gegenwart in schmerzliche Reibungen gcricthen. Ach, ichhabe seitdem erfahren, daß cS eine eben so undankbare Tollheit ist, wenn mandie Zukunft allzu frühzeitig in die Gegenwart einführen will und bei solchemAnkampf gegen die schweren Interessen des Tages nur einen sehr magerenKlepper, eine sehr morsche Rüstung und einen eben so gebrechlichen Körperbesiht! Wie über jenen, so auch über diesen Donguixotismns schüttelt derWeise sein vernünftiges Haupt. — Aber Dulcinea von Tobosa istdennoch das schönste Weib der Welt; obgleich ich elend zu Boden liege, nehmeich dennoch diese Behauptung nimmermehr zurück, ich kann nicht anders, —stoßt zu mit Euren Lanzen, Ihr silberne Mondritter, Ihr verkappte Barbicr-gesellen!
Welcher Grundgedanke leitete den großen Cervantes, als er sein großesBuch schrieb? Beabsichtigte er nur den Ruin der Ritterromane, deren Lec-tnre zu seiner Zeit in Spanien so stark grassirte, daß geistliche und weltlicheVerordnungen dagegen ohnmächtig waren? oder wollte er alle Erscheinungender menschlichen Begeisterung überhaupt und zunächst das Hcldenthnm derSchwertsührer in's Lächerliche ziehen? Offenbar bezweckte er nur eine Satiregegen die erwähnten Romane, die er, durch Beleuchtung ihrer Absurditäten,dem allgemeinen Gcspötte und also dem Untergänge überliefern wollte. Die-ses gelang ihm auch auf's glänzendste: denn was weder die Ermahnungen derKanzel, noch die Drohungen der Kanzelei bewerkstelligen konnten, das erwirkte