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5 (1855) Vermische Schriften : erste Abtheilung
Entstehung
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seliger der Klepper, der ihn trug. Wir verachteten den niedrigen Pöbel, der,geschmückt mit buntseidenen Mänteln, vornehmen Redensarten und Hcrzogs-titeln, einen Mann verhöhnte, der ihm an Geisteskraft und Edelsinn so weitüberlegen war. Dulcinea'S Ritter stieg immer höher in meiner Achtungund gewann immer mehr meine Liebe, je länger ich in dem wundersamenBuche las, was in demselben Garten täglich geschah, so daß ich schon imHerbste das Ende der Geschichte erreichte, und nie werde ich den Tag ver-gessen, wo ich von dem kummervollen Zweikampfe las, worin der Ritter soschmählich unterliegen mußte!

ES war ein trüber Tag, häßliche Nebclwolken zogen den grauen Himmelentlang, die gelben Blätter fielen schmerzlich von den Bäumen, schwere Thrä-nentropsen hingen an den letzten Blumen, die gar traurig welk die sterbendenKöpfchen senkten, die Nachtigallen waren längst verschollen, von allen Seitenstarrte mich an das Bild der Vergänglichkeit, und mein Herz wollte schierbrechen, als ich las, wie der edle Ritter betäubt und zermalmt am Boden lagund, ohne das Visir zu heben, als wenn er aus dem Grabe gesprochen hätte,mit schwacher, kranker Stimme zu dem Sieger hinausrief: Dulcinca istdas schönste Weib der Welt, und ich der unglücklichste Ritter auf Erden, aberes ziemt sich nicht, daß meine Schwäche diese Wahrheit verleugne, stoßt zumit der Lanze, Ritter!

Ach, dieser leuchtende Ritter vom silbernen Monde, der den muthigstcn undedelsten Mann der Welt besiegte, war ein verkappter Barbier!

Es sind nun acht Jahre, daß ich, für den vierten Theil der Reisebildcr, dieseZeilen geschrieben, worin ich den Eindruck schilderte, den die Lccture des DonQuirote vor weit längerer Zeit in meinem Geiste hervorbrachte. LieberHimmel, wie doch die Jahre schnell dahinschwinden! Es ist mir, als habe icherst gestern in der Seufzerallce des Düsseldorfer Hofgartens das Buch zuEnde gelesen, und mein Herz sei noch erschüttert von Bewunderung für dieThatcn und Leiden des großen Ritters. Ist mein Herz die ganze Zeit Uberstabil geblieben, oder ist es, uach einem wunderbaren Kreislauf, zu den Ge-fühlen der Kindheit zurückgekehrt? Das Letztere mag wohl der Fall sein:denn ich erinnere mich, daß ich in jedem Lustrum meines Lebens den DonQuirote mit abwechselnd verschiedenartigen Empfindungen gelesen habe.Als ich in's Jünglingsalter emporblühete und mit unerfahrenen Händen indie Rosenbllsche des Lebens hincingriff und auf die höchsten Felsen klomm, umder Sonne näher zu sein, und des Nachts von nichts träumte als von Adlernund reinen Jungfrauen: da war mir der Don Quirote ein sehr unerquick-liches Buch, und lag es in meinem Wege, so schob ich es unwillig zur Seite.Späterhin, als ich zum Manne heranreifte, versöhnte ich mich schon einiger-maßen mit Dulcinea's unglücklichem Kämpen, und ich fing schon an über