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5 (1855) Vermische Schriften : erste Abtheilung
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ncre Pferde gesehen, als hier in Berlin. Ich weide meine Angen an demAnblick der herrlichen Rcutcrgestalten. Die Prinzen unseres Hauses sinddarunter. Welch ein schönes, kräftiges Fürstengcschlecht! An diesem Stammeist kein mißgestalteter, verwahrloster Ast. In freudiger Lebcnsfülle, Muthund Hoheit auf den cdeln Gesichtern, reiten dort die zwei altern Königssöhnevorbei. Jene schöne, jugendliche Gestalt, mit frommen Gesichtszügen undliebcklaren Augen, ist der dritte Sohn des Königs, Prinz Karl. Aber jenesleuchtende majestätische Frauenbild, das, mit einem buntglänzenden Gefolge,auf hohem Rosse vorbeifliegt, das ist unsere Alerandrine. Im braunen,festanlicgenden Reitklcide, ein runder Hut mit Federn auf dem Haupte, undeine Gerte in der Hand, gleicht sie jenen ritterlichen Frauengestalten, die unsaus dem Zaubcrspiegcl alter Mährchen so lieblich entgegenleuchten, und wovonwir nicht entscheiden können, ob sie Heiligenbilder sind oder Amazonen. Ichglaube, der Anblick dieser reinen Züge hat mich besser gemacht; andächtigeGefühle durchschauern mich, ich höre Engclstimmen, unsichtbare Friedenspal-men fächeln, in meine Seele steigt ein großer Hymnus da erklirren plötzlichschnarrende Harfensaiten, und eine Alteweiberstimmc quäkt!Wir windendir den Jungfernkranz u. s. w."

Und nun den ganzen Tag verläßt mich nicht das vermaledeite Lied. Dieschönsten Momente verbittert es mir. Sogar wenn ich bei Tisch sitze, wirdes mir vom Sänger Heinsius als Dessert vorgedudelt. Den ganzen Nach-mittag werde ich mitveilchenblauer Seide" gewürgt. Dort wird der Jung-scrnkranz von einem Lahmen abgeorgelt, hier wird er von einem Blinden her-untergefidelt. Am Abend geht der Spuk erst recht los. Das ist ein Flötenund ein Gröhlen, und ein Fistuliren, und ein Gurgeln, und immer die alteMelodie. Das KaSparlied und der Jägerchor wird wohl dann und wannvon einem illuminirtcn Studenten oder Fähndrich, zur Abwechselung, in dasGesumme hineingebrllllt, aber der Jungfernkranz ist permanent; wenn derEine ihn beendigt hat, fängt ihn der Andere wieder von vorn an; aus allenHäusern klingt er mir entgegen; Jeder pfeift ihn mit eigenen Variationen;ja, ich glaube fast, die Hunde auf der Straße bellen ihn.

Wie ein zu Tode gehetzter Rehbock lege ich Abends mein Haupt auf denSchooß der schönsten Borusfin; sie streichelt mir zärtlich das borstige Haar,lispelt mir ins Ohr:Ich liebe dir, und deine Lawise wird dich ohch immerjuht sint," und sie streichelt und hätschelt so lange, bis sie glaubt, daß ich amEinschlummern sei, und sie ergreift leisedie Katharre" und spielt und singtdie Kravatte" aus Tankred:Nach so viel Leiden," und ich ruhe aus nachso vielen Leiden, und liebe Bilder und Töne umgaukcln mich, da weckt'smich wieder gewaltsam aus meinen Träumen, und die Unglückselige singt:Wir winden dir den Jungfernkranz"