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In wahnsinniger Verzweiflung reiße ich mich los aus der lieblichsten Um-armung, eile die enge Treppe hinunter, fliege wie der Sturmwind nachHause, werfe mich knirschend ins Bett, höre noch die alte Köchin mit ihremJungfernkranze herumtrippeln, und hülle mich tiefer in die Decke.
2.
B crlin, den 16. März 182Z.
Wie man diesen Winter hier lebte, läßt sich von selbst errathen. Das be-darf keiner besondern Schilderung, da Winteruntcrhaltungen in jeder Residenzdieselben sind. Oper, Theater, Conccrte, Afsembleen, Bälle, Thees (sowohlckavsaiit als meäisaut), kleine Maskeraden, Liebhaberei-Komödien, großeRedoutcn u. s. w., das sind wohl unsere vorzüglichsten Abenduntcrhaltungcnim Winter. Es ist hier ungemein viel geselliges Leben, aber es ist in lauterFetzen zerrissen. Es ist ein Nebeneinander vieler kleinen Kreise, die sich immermehr zusammen zu ziehen als auszubreiten suchen. Man betrachte nur dieverschiedenen Bälle hier: man sollte glauben, Berlin bestände aus lauter In-nungen. Der Hof und die Minister, das diplomatische Corps, die Civilbc-amten, die Kauflcute, die Offnere :c. -c., alle geben sie eigene Bälle, woraufnur ein zu ihrem Kreise gehöriges Personal erscheint. Bei einigen Ministemund Gesandten sind die Assembleen eigentlich große Thees, die an bestimmtenTagen in der Woche gegeben werden, und woraus sich, durch einen mehr oderminder großen Zusammenfluß von Gästen, ein wirklicher Ball entwickelt.Alle Bälle der vornehmen Classe streben, mit mehr oder mindcrm Glücke, denHosbällen oder sürstlichen Bällen ähnlich zu sein. Auf letztem herrscht jetztfast im ganzen gebildeten Europa, derselbe Ton, oder vielmehr sie sind denPariser Bällen nachgebildet» Folglich haben unsere hiesigen Bälle nichtscharakteristisches; wie verwunderlich es auch oft aussehen mag, wenn vielleichtein von seiner Gage lebender Secondelieutenant, und ein, mit Läppchen undGeflitter, mosaikartig aufgeputztes Kommisbrod-Fräulein, sich auf solchenBällen in entsetzlich vornehmen Formen bewegen, und die rührend-kümmer-lichen Gesichter puppenspielmäßig kontrastircn mit dem angeschnallten, steifenHofkothurn.
Wenig Schnee, und folglich auch fast gar kein Schlittcngeklingel und Pcit-schcngeknall hatten wir dieses Jahr. Wie in allen protestantischen Städtenspielt hier Weihnachten die Hauptrolle in der großen Winterkomödie. Schoneine Woche vorher ist alles beschäftigt mit Einkauf von Weihnachtsgeschenken.Alle Modemagazine und Bijouterie- und Quinkaillerichandlungcn haben ihre