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5 (1855) Vermische Schriften : erste Abtheilung
Entstehung
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der», wilde und zahme Thierlarvcn . . . Zuweilen nickte mir eine wohlde-kannte Gestalt . . . Zuweilen grüßten vertraute Weisen . . . Aber das zogimmer schnell vorüber, und lauschte ich eben den Tönen der freudigen Melodie,die mir aus einer dahin gleitenden Barke entgegenjubelten, so verhallten siebald, und anstatt der lustigen Fidcln crscusztcn neben mir die melancholischenWaldhorner einer anderen Barke . . . Manchmal trug der Nachtwind beideszu gleicher Zeit an mein Ohr, und da bildeten diese gemischten Töne eineselige Harmonie . . . Die Wasser erklangen von unerhörtem Wohllaut, undbrannten im magischen Widerschein der Fackeln, und die buntbewimpeltcnLustschiffe, mit ihrer abcnthenerlichcn Maskcnwclt, schwammen in Licht undMusik. . . Eine anmuthige Francngcstalt, die am Steuer einer jeden Barkestand, rief mir im Vorbeifahren: Nicht wahr, mein Freund, du hättest gerneine Definizion von der Shakcspeare'schcn Comödie? Ich weiß nicht, ob ichcS bejahte, aber das schöne Weib hatte zn gleicher Zeit ihre Hand ins Wassergetaucht und mir die klingenden Funken in's Gesicht gesprint, so daß ein allge-meines Gelächter erscholl und ich davon erwachte.

Wer war jene anmuthige Francngcstalt, die mich solchermaßen im Traumeneckte? Aus ihrem idcalisch schönen Haupte saß eine buntscheckige gehörnteSchellenkappe, ei» weißes Atlaskleid mit flatternden Bändern umschloß diefast allzu schlanke» Glieder, und vor der Brust trug sie eine rothblühcndcDistel. Es war vielleicht die Göttin der Caprize, jene sonderbare Muse, diebei der Geburt Rosalindcns, Beatrizcs, TitaniaS, Violas, und wie sie sonstheißen, die lieblichen Kinder der Shakespcare'schen Comödie, zugegen warund ihnen die Stirne küßte. Sie hat wohl alle ihre Launen und Grillenund Schrullen in die jungen Köpfchen hincingcküßt, und das wirkte auch aufdie Herzen. Wie bei den Männern, so auch bei den Weibern in der Shakc-speare'schcn Comödie, ist die Leidenschaft ganz ohne jenen furchtbaren Ernst,ganz ohne jene fatalistische Nothwcndigkcit, womit sie sich in den Tragödienoffenbart. Amor trägt dort zwar ebenfalls eine Binde und einen Köcher mitPfeilen. Aber diese Pfeile sind dort weniger tödtlich zugespiht als buntbcfic-dcrl, und der kleine Gott schielt manchmal schalkhaft über die Binde hinweg.Auch die Flammen brennen dort weniger als sie leuchten, aber Flammen sindeS immer, und wie in den Tragödien des Shakespeare, so auch in seinen Co-mödie» trägt die Liebe ganz den Charakter der Wahrheit. Ja, Wahrheit istimmer das Kennzeichen Shakespcare'schcr Liebe, gleichviel in welcher Gestaltsie erscheint, sie mag sich Miranda nennen oder Julia oder gar Cleopatra.

Indem ich diese Namen eher zufällig als absichtlich zusammen erwähne,bietet sich mir die Bemerkung, daß sie auch die drei bedeutungsvollsten Typender Liebe bezeichnen. Miranda ist die Repräsentantin einer Liebe, welche,ohne historische Einflüsse, als Blume eines unbefleckten Bodens, den nur Gel-