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5 (1855) Vermische Schriften : erste Abtheilung
Entstehung
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der spanischen Stucke, woran man in England Geschmack zu finden begann,lieferte diesen Spielen allerlei verschiedene Rahmen und Muster, die sich auchsehr gut anpassen ließen auf jene Chroniken und Balladen, auf jene französi-schen und italienischen Novellen, welche, nebst den Nittcrromanen, eine Lieb-lingSlcktürc des Publikums waren. ES ist begreiflich, wie diese reiche Fund-grube und diese leichte Gattung die Aufmerksamkeit Shakcspeare'S schon früheans sich zog! Man darf sich nicht wundern, daß seine junge und glänzendeEinbildungskraft sich gern in jenen Stoffen wiegte, wo sie des strengen Vcr-nnnftjochcs baar, auf Kosten der Wahrscheinlichkeit alle mögliche ernste undstarke Effekte bereiten konnte! Dieser Dichter, dessen Geist und Hand mitgleicher Rastlosigkeit sich bewegten, dessen Manuskripte fast keine Spur vonVerbesserungen enthielten, er mußte sich gewiß mit besonderer Lust jenen un-gezügelten und abentheuerlichen Spielen hingeben, worin er ohne Anstrengungalle seine verschiedenartigen Fähigkeiten entfalten durfte. Er konnte alles inseine Comödicn hineinschütten, und in der That! ergoß alles hinein, aus-genommen was mit einem solchen Systeme ganz unverträglich war, nämlichjene logische Verknüpfung, welche jeden Thcil des Stückes dem Zwecke desGanzen unterordnet, und in jeder Einzelheit die Tiefe, Größe und Einheitdes Werks bekundet. In den Tragödien des Shakespeare findet man schwer-lich irgend eine Conzcpzion, eine Sitnazion, einen Akt der Leidenschaft, einenGrad des Lasters oder der Tugend, welchen man nicht ebenfalls in einer seinerKomödien wiederfände; aber was sich dort in die abgründlichstc Tiefe erstreckt,was sich fruchtbar an erschütternden Folgerungen erweist, was sich streng ineine Reihe von Ursachen und Wirkungen einfügt: das ist hier kaum angcdeutet, nur für eine» Augenblick hingeworfen, um einen flüchtigen Effekt zuerzielen und sich eben so schnell in einer neuen Verknüpfung zu verlieren."

In der That, der Elephant hat Recht: Das Wesen der Shakcspcarc'schenComödie besteht in der bunten SchmcttcrlingSlaunc, womit sie von Blume zuBlume dahingaukelt, selten den Boden der Wirklichkeit berührend. Nur imGegensatz zu der realistischen Comödie der Alten und der Franzosen läßt sichvon der Shakcspcare'schcn Comödie etwas Bestimmtes aussagen.

Ich habe vorige Nacht lange darüber nachgegrübelt, ob ich nicht dennoch vondieser unendlichen und unbegrenzten Gattung von der Comödie des Shake-speare, eine positive Erklärung geben könnte. Nach langen: Hin- und Her-sinncn schlief ich endlich ein, und mir träumte: es sei sternhelle Nacht und ichschwämme in einem kleinen Kahn, auf einem weiten, weiten See, wo allerleiBarken, angefüllt mit Masken, Musikanten und Fackeln, tönend und glän-zend, manchmal nah, manchmal ferne, an mir vorbeifuhren. Das warenKostüme aus allen Zeiten und Landen: altgricchische Tuniken, mittelalter-liche Rittcrmäntcl, orientalische Turbane, Schäfcrhütc mit flatternden Bän-