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stersüßc betreten durften, ihre höchste Idealität entfalten konnte. Ariels Me-lodien haben ihr Herz gebildet, und die Sinnlichkeit erschien ihr nie andes alsin der abschreckend häßlichen Gestalt eines Kaliban. Die Liebe welche Fer-dinand in ihr erregt, ist daher nicht eigentlich naiv, sondern von seliger Treu-herzigkeit, von urweltlicher, fast schauerlicher Reinheit. Julias Liebe trägt,wie ihre Zeit und Umgebung, einen mehr romantisch mittelalterlichen, schonder Renaissance cntgegcnblühcndcn Charakter; sie ist farbcnglänzend wie derHof der Scalibre, und zugleich stark wie jene edlen Geschlechter der Lombar-dei, die mit germanischem Blute verjüngt worden, und eben so kräftig liebten,wie sie haßten. Julia rcpräsentirt die Liebe einer jugendlichen, noch etwasrohen aber unverdorbenen, gesunden Periode. Sie ist ganz durchdrungen vonder Sinncnglut und von der Glaubensstärke einer solchen Zeit, und selbst derkalte Moder der Todtcngrnft kann weder ihr Vertrauen erschüttern, noch ihreFlamme dämpfen. Unsere Klcopatra, ach ! sie rcpräsentirt die Liebe einerschon erkrankten Civilisazion, einer Zeit, deren Schönheit schon abwelkt, derenLocken zwar mit allen Künsten gekräuselt, mit allen Wohldüftcn gesalbt, aberauch mit manchem grauen Haar durchflochtcn sind, einer Zeit, die den Kelchder zur Neige geht, um so hastiger leeren will. Diese Liebe ist ohne Glaubeund ohne Treue, aber darum nicht minder wild und glühend. Im ärger-lichen Bewußtsein, daß diese Glut nicht zu dämpfen ist, gießt das ungeduldigeWeib noch Oel hinein, und stürzt sich bachantisch in die lodernden Flammen.Sie ist feige und dennoch getrieben von eigner ZcrstörungSlust. Die Liebeist immer eine Art Wahnsinn, mehr oder minder schön; aber bei dieser ägyp-tischen Königin steigert sie sich zur gräulichsten Tollheit . . . Diese Liebe istein rasender Comct, der mit seinem Flammcnschwcif, in den unerhörtestenKreisläufen, am Himmel dahinstürmt, alle Sterne auf seinem Wege erschreckt,wo nicht gar beschädigt, und endlich, kläglich zusammenkrachend, wie eine Ra-kete, in tausend Funken zerstiebt.
Ja, du glichest einem furchtbaren Comctc, schöne Cleopatra, und du glühtestnicht blos zu deinem eignen Verderben, sondern du bedeutetest auch Unglück fürdeine Zeitgenossen . . . Mit Antonius nimmt auch daö alte heroische Römcr-thum ein jämmerliches Ende.
Womit soll ich aber euch vergleichen, Julia und Miranda? Ich schauewieder nach dem Himmel und suche dort euer Ebenbild. Es befindet sichvielleicht hinter den Sternen, wo mein Blick nicht hindringt. Vielleicht, wenndie glühende Sonne auch die Milde des Mondes besäße, ich könnte dich mitihr vergleichen, Julia! Wäre der milde Mond zugleich begabt mit der Glutder Sonne, ich würde dich damit vergleichen, Miranda!