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5 (1855) Vermische Schriften : erste Abtheilung
Entstehung
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der Pöbel in den Bierstuben wie in den Deputirtenkammcrn deklamirt widerdie Juden mit merkantilischcn, industriellen, wissenschaftlichen oder gar philo-sophischen Argumenten. Nur abgefeimte Heuchler geben noch heute ihremHaß eine religiöse Färbung und verfolgen die Juden um Christi Willen; diegroße Menge gesteht offenherzig, daß hier materielle Interessen zu Grundeliegen, und sie will den Juden durch alle möglichen Mittel die Ausübungihrer industriellen Fähigkeiten erschweren. Hier in Frankfurt z. B. dürfenjährlich nur vier und zwanzig Bekenner des mosaischen Glaubens hcurathen,damit ihre Populazion nicht zunimmt und für die christlichen Handelsleutekeine allznstarke Konkurrenz erzeugt wird. Hier tritt der wirkliche Grund desJudenhasses mit seinem wahren Gesichte hervor, und dieses Gesicht trägt keinedüster fanatische MönchSmicne, sondern die schlaffen aufgeklärten Züge einesKrämers, der sich ängstigt im Handel und Wandel von dem israelitischenGcschäfzsgeiste überflügelt zu werden.

Aber ist es die Schuld der Juden, daß sich dieser Geschäftsgeist bei ihnenso bedrohlich entwickelt hat? Die Schuld liegt ganz an jenem Wahnsinn,womit man im Mittelalter die Bedeutung der Industrie verkannte, den Handelals etwas Unedles und gar die Geldgeschäfte als etwas Schimpfliches be-trachtete, und deshalb den einträglichsten Theil solcher Industriezweige, na-mentlich die Geldgeschäfte, in die Hände der Juden gab; so daß diese, aus-geschlossen von allen anderen Gewerben, nothwcndigcrwcisc die raffinirtestenKaufleute und Banquiers werden mußten. Man zwang sie reich zu wer-de» und haßte sie dann wegen ihres ReichthumS; und obgleich jetzt die Chri-stenheit ihre Vorurthcilc gegen die Industrie aufgegeben hat, und die Christenin Handel und Gewcrb eben so große Spitzbuben und eben so reich wie dieJuden geworden sind: so ist dennoch an diesen letztem der tradizioucllcVolkS-haß haften geblieben, das Volk sieht in ihnen noch immer die Repräsentantendes Gcldbcsitzes und haßt sie. Sehen Sic, in der Weltgeschichte hat jederRecht, sowohl der Hammer als der Ambos."

Portia.

(Kaufmann von Venedig.)

Wahrscheinlich wurden alle Kunstrichter von Shplok's erstaunlichemCharakter so geblendet und befangen, daß sie ihrerseits Portia ihr Recht nichtwiderfahren ließen, da doch ausgemacht Shylok's Charakter in seiner Artnicht kunstreicher, noch vollendeter ist, als Portia's in der ihrigen. Die zweiglänzenden Figuren sind beide ehrenwert!): Werth zusammen in dem reichen