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Erschaffung der Welt, ob dcr Verschiedenheit des Gottesdienstes, zwischen Kamund Adel entlodern sehen? Oder ist die Religion überhaupt nur Verwand,und die Mensche» hassen sich, um sich zu hasse», wie sie sich lieben, um sich zulieben? Auf welcher Seite ist die Schuld bei diesem Groll? Ich kann nichtumhin zur Beantwortung dieser Frage eine Stelle aus einem Privatbörsemitznthcilen, die auch die Gegner Shylok'S justifizirt:
„Ich verdamme nicht den Haß, womit das gemeine Volk die Inden ver-folgt; ich verdamme nur die unglückseligen Jrrthümer, die jenen Haß er-zeugten. Das Volk hat immer Recht in der Sache, seinem Hasse wie seinerLiebe liegt immer ein ganz richtiger Instinkt zu Grunde, nur weiß es nichtseine Empfindungen richtig zu formnliren, und statt der Sache, trifft seinGroll gewöhnlich die Person, den unschuldigen Sündenbock zeitlicher oder ört-licher Mißverhältnisse. Das Volk leidet Mangel, es fehlen ihm die Mittelzum Lebensgenuß, und obgleich ihm die Priester der Staatsreligion versichern,„daß man aus Erden sei, um zu entbehren und trotz Hunger und Durst derObrigkeit zu gehorchen" — so hat doch das Volk eine geheime Sehnsucht nachden Mitteln des Genusses, und es haßt diejenigen, in deren Kisten und Kastendergleichen aufgespeichert liegt; es haßt die Neichen und ist froh wenn ihmdie Religion erlaubt, sich diesem Hasse mit vollem Gcmüthe hinzugeben. Dasgemeine Volk haßte in den Juden immer nur die Geldbesitzer, es war immerdas aufgehäufte Metall, welches die Blitze seines Zornes auf die Indenherabzog. Der jedcswcilige Zeitgeist lieh nun immer jenem Hasse seineParole. Im Mittelalter trug diese Parole die düstre Farbe der katholischenKirche, und man schlug die Jude» todt und plünderte ihre Häuser: „weil sieChristus gekreuzigt" — ganz mit derselben Logik, wie auf St. Domingoeinige schwarze Christen, zur Zeit der Massacre, mit einem Bilde des gekreu-zigten Heilands herumliefen und fanatisch schrieen: Isn blanos I'vnt tus,tnnns kons!es bkanos.
„Mein Freund, Sic lachen über die armen Neger; ich versichere Sie, diewestindischen Pflanzer lachten damals nicht, und wurden niedergemetzelt zurSühne Christi, wie einige Jahrhunderte früher die europäischen Inden. Aberdie schwarzen Christen auf St. Domingo hatten in der Sache ebenfalls Recht!die Weißen lebten müßig in der Fülle aller Genüsse, während der Neger imSchweiße seines schwarzen Angesichts für sie arbeiten mußte, und zum Lohnenur ein Bischen ReiSmrhl und sehr viele Peitschenhiebe erhielt; die Schwar-zen waren das gemeine Volk, —
„Wir leben nicht mehr im Mittelalter, auch das gemeine Volk wird auf-geklärter, schlägt die Inden nicht mehr auf einmal todt, und beschönigt seinenHaß nicht mehr mit der Religion ; unsere Zeit ist nicht mehr so naiv glau-bcnsheiß, der tradizionelle Groll kleidet sich in modernen Redensarten, und