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reikdsten Eindruck. Rührend bis zum Weinen ist es, wenn z. B. nach derNiederlage der Cimbern und Teutonen, die Frauen derselben den Mariusanflehen, sie nicht seinen Soldaten, sondern den Pricsterinnen der Vesta alsSklavinnen zu übergeben.
ES ist in der That auffallend, welche innige Wahlverwandtschaft zwischende» beiden Völkern der Sittlichkeit, den Juden und Germanen, herrscht. DieseWahlverwandtschaft entstand nicht aus historischem Wege, weil etwa die großeFamilien-Chronik der Juden, die Bibel, der ganzen germanischen Welt alsErziehungSbnch diente, auch nicht weil Juden und Germanen von früh an dieunerbittlichsten Feinde der Römer, und also natürliche Bundesgenossen waren:sie hat einen tieften Grund, und beide Völker sind sich ursprünglich so ähnlich,daß man das ehemalige Palestina für ein orientalisches Deutschland ansehenkönnte, wie man das heutige Deutschland für die Hcimath des heiligen Wor-tes, für den Muttcrbode» des ProphctcnthumS, für die Burg der reinenGcisthcit halten sollte.
Aber nicht bloS Deutschland trägt die Physiognomie Palcstina's, sondernauch das übrige Europa erhebt sich zu den Juden. Ich sage erhebt sich, denndie Juden trugen schon im Beginne das moderne Prinzip in sich, welches sichheute erst bei den europäischen Völkern sichtbar entfaltet.
Griechen und Römer hingen begeistert an dem Boden, an dem Vaterlande.Die spätem nordischen Einwanderer in die Römer- und Gricchcnwclt hingenan die Person ihrer Hänplinge, und an die Stelle des antiken Patriotismustrat im Mittelalter die Vasallentrcue, die Anhänglichkeit an die Fürsten. DieJuden aber, von jeher, hingen nur an dem Gesetz, an dem abstrakten Gedan-ken, wie unsere neuere» kosmopolitischen Republikaner, die weder das Geburts-land noch die Person der Fürsten, sondern die Gesetze als das Höchste achten.Ja, der KoSmopolitiSmuS ist ganz eigentlich dem Boden Judäas entsprossen,und Christus, der, trotz dem Mißmuthe des früher erwähnten HamburgerSpezercihändlers, ein wirklicher Jude war, hat ganz eigentlich eine Propa-.ganda des Weltbürgerthums gestiftet. Was den RcpublikanismuS der Judenbetrifft, so erinnere ich mich im Joftphus gelesen zu haben, daß cS zu Jerusa-lem Republikaner gab, die sich den königlichgcsinntcn Herodiancrn entgegen-setzten, am muthigsten fochten, niemanden den Namen „Herr" gaben, undden römischen Absolutismus aufs ingrimmigste haßten; Freiheit und Gleich-heit war ihre Religion. Welcher Wahn!
Was ist aber der letzte Grund jenes Hasses, den wir in Europa zwischenden Anhänger» der mosaischen Gesetze und der Lehre Christi bis ans heutigenTag gewahren, und wovon uns der Dichter, indem er das Allgemeine imBesondern veranschaulichte, im Kaufmann von Venedig ein schauerliches Bildgeliefert hat? Ist es der ursprüngliche Bruderhaß, den wir schon gleich nach