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5 (1855) Vermische Schriften : erste Abtheilung
Entstehung
Seite
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Wenn Graziano ebenfalls hinzusetzt:

Ich Hab' ein Weib, die ich, auf Ehre liebe;

Doch wünscht' ich sie im Himmel, könnt' sie Mächte

Dort flehn, den hünd'schcn Juden zu erweichen.

Dann regt sich in Shylok die Angst ob dem Schicksal seiner Tochter, die unterMenschen, welche ihre Weiber aufopfern könnten für ihre Freunde, sich ver-hcurathct hat, und nicht laut, sondernbei Seite" sagt er zu sich selber!

So sind die Christenmänncr: ich Hab' 'ne Tochter,War' irgend wer vom Stamm dcS BarnabasIhr Mann geworden, lieber als ein Christ!-

Diese Stelle, dieses leise Wort, begründet das Verdammungsurthcil,welches wir über die schöne Jessika aussprechen müssen. Es war kein liebloserVater, den sie verließ, den sie beraubte, den sie verrietst . . . Schändlicher Vcr-rath! Sie macht sogar gemeinschaftliche Sache mit den Feinden Shylok's,und wenn diese zu Belmontct allerlei Mißrcden über ihn führen, schlägtJessika nicht die Augen nieder, erbleichen nicht die Lippen Jessika's, sondernJessika spricht von ihrem Vater das Schlimmste. .. Entsetzlicher Frevel! Sichat kein Gcmüth, sondern abcntheucrlichcn Sinn. Sic langweilte sich in demstreng verschlossenen,ehrbaren" Hause des bittermüthigcn Juden, daS ihrendlich eine Hölle dünkte. Das leichtfertige Herz ward allzusehr angezogenvon den heiteren Tönen der Trommel und der qucrgchalstcn Pfeife. HatShakespeare hier eine Jüdin schildern wollen? Wahrlich nein; er schildertnur eine Tochter Evas, einen jener schönen Vögel, die wenn sie flügge gewor-den, aus dem väterlichen Neste fortflattern zu den geliebten Männchen. Sofolgte DeSdcmona dem Mohren, so Jmogcn dem Postnmus. Das ist weib-liche Sitte. Bei Jessika ist besonders bemerkbar eine gewisse zagende Schani,die sie nicht überwinden kann, wenn sie Knabentracht anlegen soll. Vielleichtin diesem Zuge möchte man jene sonderbare Keuschheit erkennen, die ihremStamme eigen ist, und den Töchtern desselben einen so wunderbaren Liebreizverleiht. Die Keuschheit der Juden ist vielleicht die Folge einer Opposizion,die sie von jeher gegen jenen orientalischen Sinncn> und Sinnlichkcitsdienstbildeten, der einst bei ihren Nachbaren, den Aegpptcrn, Phöniziern, Assyrcrnund Babyloniern in üppigster Blüthc stand, und sich, in beständiger Trans-formazion, bis auf heutigen Tag erhalten hat. Die Juden sind ein keusches,enthaltsames, ich möchte fast sagen, abstraktes Volk, und in der Sittcnrcin-heit stehen sie am nächsten den germanischen Stämmen. Die Züchtigkcit derFrauen bei Juden und Germanen ist vielleicht von keinem absoluten Wertste,aber in ihrer Erscheinung macht sie den lieblichsten, anmuthigsten und rüh-

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