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5 (1855) Vermische Schriften : erste Abtheilung
Entstehung
Seite
328
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Nein, Shylok liebt zwar das Geld, aber es gicbt Dinge, die er noch weitmehr liebt, unter andern auch seine Tochter,Jessika, mein Kind." Ob-gleich er in der höchsten Leidenschaft des Zorns sie verwünscht und todt zuseinen Füßen liegen sehen möchte, mit den Juwelen in den Ohren, mit denDukaten im Sarg! so liebt er sie doch mehr als alle Dukaten und Juwelen.Aus dem öffentlichen Leben, aus der christlichen Societät, zurückgedrängt indie enge Umfriedung häuslichen Glückes, blieben ja dem armen Juden nurdie Familicngefühle, und diese treten bei ihm hervor mit der rührendsten In-nigkeit. Den Türkis, den Ring, den ihm einst seine Gattin, seine Lea,geschenkt, er hätte ihn nichtfür einen Wald von Affen" hingegeben. Wennin der Gerichtsscene Bassanio folgende Worte zum Antonio spricht -

Ich Hab' ein Weib zur Ehe, und sie istSo lieb mir als mein Leben selbst, doch giltSie höher als dein Leben nicht bei mir.

Ich gäbe alles hier, ja opfert' alles.

Das Leben selbst, mein Weib und alle Welt,

Dem Teufel da, uin dich nur zu befrein.

tausend, die zehnmal dreitausend Dukaten, gereuen ihn nicht, wenn er einPfund Herzfleisch seines Feindes damit erkaufen kann.Was willst dn mitdiesem Fleische?" fragt ihn Salario. Und er antwortet:

Fisch' mit zu angeln. Sättigt es sonst niemanden, so sättigt es dochmeine Rache. Er hat mich beschimpft, mir eine halbe Million gehindert,meinen Verlust belacht, meinen Gewinn bespottet, mein Volk geschmäht,meinen Handel gekreuzt, meine Freunde verleitet, meine Feinde gehetzt.Und was hat er für Grnnd? Ich bin ein Jude. Hat nicht ein JudeAugen? Hat nicht ein Jude Hände, Gliedmaßen, Werkzeuge, Sinne,Neigungen, Leidenschaften? Mit derselben Speise genährt, mit den-selben Waffen verletzt, denselben Krankheiten unterworfen, mit denselbenMitteln geheilt, gewärmt und gckältet von eben dem Winter und Som-mer, als ein Christ? Wenn ihr uns stecht, bluten wir nicht? Wennihr uns kitzelt, lachen wir nicht? Wenn ihr uns vergiftet, sterben wirnicht? Und wenn ihr uns beleidigt, sollen wir uns nicht rächen? Sindwir euch in allen Dingen ähnlich, so wollen wir's euch auch darin gleichthun. Wenn ein Jude einen Christen beleidigt, was ist seine Demuth?Rache. Wenn ein Christ einen Juden beleidigt, was muß seine Geduldsein nach christlichem Vorbild ? Nu, Rache. Die Bosheit, die ihr michlehrt, die will ich ausüben, und es muß schlimm hergehen, oder ich willes meinen Meistern znvorthun."