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5 (1855) Vermische Schriften : erste Abtheilung
Entstehung
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Dukaten zusammen zu bringen, um ein Menschenleben und welch' eineszureiten; aber dergleichen ist denn doch immer ein wenig unbequem, und sothun die lieben guten Freunde, eben weil cS nur sogenannte Freunde oder,wenn man will, halbe oder dreiviertel Freunde sind,nichts und wieder nichtsund gar nichts. Sie bedauern den vortrefflichen Kaufmmin, der ihnen früherso schöne Feste veranstaltet hat, ungemein, aber mit gehöriger Bequemlichkeit,schelten, was nur das Herz und die Zunge vermag, auf Shylok, was gleich-falls ohne alle Gefahr geschehen kann, und meinen dann vcrmuthlich alle, ihreFreundschaftspflicht erfüllt zu haben. So sehr wir Shylok hassen müssen, sowürden wir doch selbst ihm nicht verdenken können, wenn er diese Leute einwenig verachtete, was er denn auch wohl thun mag. Ja er scheint zuletzt auchden Graziano, den Abwesenheit entschuldiget, mit jenen zu verwechseln und inEine Classe zu werfen, wenn er die frühere Thatlosigkeit und jetzige Wortfüllemit der schneidenden Antwort abfertigt:

Bis du von meinem Schein das Siegel wcgschiltst,

Thust du mit Schrci'n nur deiner Lunge weh.

Stell deinen Witz her, guter junger Mensch,

Sonst fällt er rettungslos in Trümmern dir.

Ich stehe hier um Recht.

Oder sollte etwa gar Lanzclot Gobbo als Repräsentant des Christcnthumsgelten? Sonderbar genug, hat sich Shakespeare über letzteres nirgends so be-stimmt geäußert wie in einem Gespräche, das dieser Schalk mit seiner Gebie-terin führt. Auf Jessikas Acußcrung:

Ich werde durch meinen Mann selig werden, er hat mich zu einerChristin gemacht"

antwortete Lanzelot Gobbo:

Wahrhaftig, da ist er sehr zu tadeln. Es gab unser vorher schonChristen genug, grade so viele, als neben einander gut bestehen konnten.Dies Christcnmachcn wird den Preis der Schweine steigern; wenn wiralle Schweinefleisch-Esser werden, so ist in Kurzem kein Schuittchcn Speckin der Pfanne für Geld mehr zu haben."

Wahrlich, mit Ausnahme Portia's, ist Shylok die respektabelste Person imganzen Stück. Er liebt das Geld, er verschweigt nicht diese Liebe, er schreitsie aus, auf öffentlichem Markte. . . Aber es gicbt etwas, was er dennochhöher schätzt als Geld, nämlich die Genugthuuug für sein beleidigtes Herz,die gerechte Wicdcrvcrgeltung unsäglicher Schmähungen: und obgleich manihm die erborgte Summe zehnfach anbietet, er schlägt sie aus, und die drei-