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5 (1855) Vermische Schriften : erste Abtheilung
Entstehung
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Kind, den häuslichen Geschäften obliegend; aber die Stimme des Mohrendrang in ihr Ohr, und obgleich sie die Augen niederschlug, sah sie doch seinAntlih in seinen Worten, in seinen Erzählungen, oder wie sie sagt:in seinerSeele" . . . und dieses leidende, großmüthige, schone, weiße Seclcnantlihübte auf ihr Herz den unwiderstehlich hinreißenden Zauber. Ja, er hat Recht,ihr Vater, Seine WohlwciShcit der Herr Senator Brabanzio, eine mächtigeMagic war Schuld daran, daß sich das bange zarte Kind zu dem Mohren hin-gezogen fühlte und jene häßlich schwarze Larve nicht fürchtete, welche der großeHaufe für das wirkliche Gesicht Othellos hielt . . .

Julias Liebe ist thätig, DcsdemonaS Liebe ist leidend. Sic ist die Sonnen-blume, die selber nicht weiß, daß sie immer dem hohen Tagcsgestirn ihr Hauptzuwendet. Sie ist die wahre Tochter des Südens, zart, empfindsam, gedul-dig, wie jene schlanken, großäugigen Fraucnlichtcr, die aus sanskritischen Dich-tungen so lieblich, so sanft, so träumerisch hervorstrahlcn. Sie mahnt michimmer an die Sakontala des Kalidasa, des indischen Shakcspeare's.

Der englische Kupferstecher, dem wir das vorstehende Bildniß der Dcsdc-mona verdanken, hat ihren großen Augen vielleicht einen zu starken Ausdruckvon Leidenschaft verliehen. Aber, ich glaube bereits angedeutet zu haben, daßder Contrast des Gesichtes und des Charakters immer einen interessanten Reizausübt. Jedenfalls aber ist dieses Gesicht sehr schön, und namentlich demSchreiber dieser Blätter muß es sehr gefallen, da es ihn an jene hohe Schöneerinnert, die Gottlob an seinem eignen Antlih nie sonderlich gemäkelt hat unddasselbe bis jeht nur in semer Seele sah . . .

Ihr Vater liebte mich, lud oft mich ein.

Er fragte die Geschichte meines LebensVon Jahr zu Jahr; Belagerungen, SchlachtenUnd jedes Schicksal, das ich überstand.

Ich lief sie durch, von meinem KnabenalterBis zu dem Augenblick, wo er gebot,

Sie zu erzählen. Sprechen mußt' ich daVon höchst unglücklichen Ereignissen,

Von rührendem Geschick zu See und Land,

Wie in der Bresche ich gewissem Tod'

Kaum um die Breite eines Haars entwischte;

Wie mich ein trotz'gcr Feind gefangen nahm.

Der Sklaverei verkaufte; wie ich michDrauS gelöst, und die Geschichte dessen,

Wie ich aus meinen Reisen mich benahm.

Von öden Höhlen, unfruchtbaren Wüsten,