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Wahrheit und Gesundheit. Das Mädchen athmet Gesundheit und Wahr-heit, und es ist rührend anzuhören, wenn sie sagt:
Du weißt, die Nacht verschleiert mein Gesicht,
Sonst färdte Mädchenröthc meine WangenUm das, was du vorhin mich sagen hörtest.
Gern hielt' ich streng ans Sitte, nröchte gernVerläugncn, was ich sprach: doch weg mit Förmlichkeit!Sag', liebst d» mich? Ich weiß, du wirst's bejahn.
Und will dem Worte trau'n; doch wenn du schwörst.So kannst du treulos werden; wie sie sagen,
Lacht Jupiter des Meineids der Verliebten»
O holder Romeo! wenn du mich liebst:
Sag's ohne Falsch! Doch dächtest du, ich seiZu schnell besiegt, so will ich finster blicken.
Will widerspänstig sein, und Nein dir sagen,
So du dann werben willst: sonst nicht um Alles.
Gewiß, mein Montagne, ich bin zu herzlich;
Du konntest denke», ich sei leichten Sinns.
Doch glaube, Mann, ich werde treuer seinAls sie, die fremd zu thnn geschickter sind.
Auch ich, bekenn' ich, hätte fremd gethan.
War' ich von dir, eh' ich's gewahrte, nichtBelauscht in LicbeSklagcn. Drum vcrgieb!
Schilt diese Hingebung nicht Natterliebe,
Die so die stille Nacht vcrrathen hat.
Dcsdemoua.
(Othello.)
Ich habe oben beiläufig angedeutet, daß der Charakter des Romeo etwasHam Wilsches enthalte. In der That, ei» nordischer Ernst wirft seine Streif-schattcn über dieses glühende Gcmiith. Vergleicht man Julie mit Desdcmona,so wird ebenfalls in jener ein nordisches Element bemerkbar; bei aller Gewaltihrer Leidenschaft, bleibt sie doch immer ihrer selbst-bcwußt und im klarstenSelbstbewußtsein Herrin ihrer That. Julie liebt und denkt und handelt.DcSdemona liebt und fühlt und gehorcht, nicht dem eignen Willen, sonderndem stärkere Antrieb. Ihre Vortrefflichkcit besteht darin, daß das Schlechteauf ihre edle Natur keine solche Zwangsmacht ausüben kann wie das Gute.Sie wäre gewiß immer im Palazzo ihres VaterS geblieben, ein schüchternes
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