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Verderben brauen, aus hämischer Schadenfreude oder auf Geheiß der Holle:sie sind die Dienerinnen des Bösen, und wer sich von ihren Sprüchen bethörcnläßt, geht mit Leib und Seele zu Grnudc. Shakespeare hat also die alt-heidnischen Schicksalsgöttinncn und ihren ehrwürdigen Zauberscgcn ins Christ-liche überseht, nnd der Untergang seines Helden ist daher nicht etwas vorausbestimmt NothwcudigcS, etwas starr Unabwendbares wie das alte Fatum,sondern er ist nur die Folge jeuer Lockungen der Hölle, die das Menschcnhcrzmit den feinsten Nehm zu umschlingen weiß! Macbeth nntcrlirgt der MachtSatans, dem Urböscn.
Interessant ist cS, wenn man die Shakcspeare'schen Heren mit den Herenanderer englischen Dichter vergleicht. Man bemerkt, daß Shakespeare sichdennoch von der altheidnischcn Anschauungsweise nicht ganz losreißen konnte,und seine Zauberschwestcrn sind daher auffallend grandioser und respektablerals die Heren von Middleton, die weit mehr eine böse Bcttelnatur bekunden,auch weit kleinlichere Tücken ausüben, nur den Leib beschädigen, über denGeist wenig vermögen, und höchstens mit Eifersucht, Mißgunst, Lüsternheitund ähnlichem GefühlSaussah unsere Herzen zu überkrusten wissen.
Die Renommee der Lady Macbeth, die man während zwei Jahrhundertenf ür eine sehr böse Person hielt, hat sich vor etwa zwölf Jahren in Deutschlandsehr zu ihrem Northcil verbessert. Der fromme Franz Horn machte nämlichim Brokhausischen Cvnvcrsazions-Blatt die Bemerkung, daß die arme Ladybisher ganz verkannt worden, daß sie ihren Mann sehr liebte, und überhauptein liebevolles Gcmüth besäße. Diese Meinung suchte bald darauf HerrLudwig Ticck mit all seiner Wissenschaft, Gelehrtheit und philosophischenTiefe zu unterstllhen, nnd es dauerte nicht lange, so sahen wir Madame Stichauf der königlichen Hvfbühnc in der Rolle der Lady Macbeth so gefühlvollgirren und turteltäubeln, daß kein Herz in Berlin vor solchen ZärtlichkcitS-tönen ungerührt blieb, und manches schöne Auge von Thräncn überfloß beimAnblick der jutcn Macbeth. — Das geschah, wie gesagt, vor etwa zwölfJahren, in jener sanften NestaurazionSzcit, wo wir so viel Liebe im Leibehatten. Seitdem ist ein großer Bankrot ausgebrochen, und wenn wir jcßtmancher gekrönten Person nicht die überschwengliche Liebe widmen, die sieverdient, so sind Leute daran Schuld, die, wie die Königin von Schottland,während der RcstaurazionS-Periode unsrc Herzen ganz auSgebcutclt haben.
Ob man in Deutschland die Liebenswürdigkeit der besagten Lady noch immerv erficht, weiß ich nicht. Seit der Juliusrevoluzion haben sich jedoch die An-sichten in vielen Dingen geändert, und man hat vielleicht sogar in Berlin ein-sehen lernen, daß die jntc Macbeth eine sehr bcse Bestie sint.