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5 (1855) Vermische Schriften : erste Abtheilung
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Ephelia.

(Hamlet.)

Das ist die arme Ophelia, die Hamlet der Dane geliebt hat. Es war einblondes schönes Mädchen, und besonders in ihrer Sprache lag ein Zauber,der mir schon damals das Herz rührte,-als ich nach Wittenberg reisen wollteund zu ihrem Vater ging, um ihm Lebewohl zu sagen. Der alte Herr warso gütig mir alle jene guten Lehren, wovon er selber so wenig Gebrauch machte,auf den Weg mitzugeben, und zuletzt rief er Ophclicn, daß sie unö Weinbringe zum Abschicdstrunk. Als daS liebe Kind, sittsam und anmuthig, mitdem Krcdenztellcr zu mir herantrat und das strahlend große Auge gegen michaufhob, griff ich in der Zerstreuung zu einem leeren, statt zu einem gefülltenBecher. Sic lächelte über meinen Mißgriff. Ihr Lächeln war schon damalsso wundersam glänzend, es zog sich über ihre Lippen schon jener berauschendeSchmelz, der wahrscheinlich von den Kuß-Elfen herrührte, die in den Mund-winkeln lauschten.

Als ich von Wittenberg heimkehrte und das Lächeln Ophelas mir wiedercntgegcnleuchtetc, vergaß ich darüber alle Spitzfindigkeiten der Scholastik, undmein Nachgrübeln betraf nur die holden Fragen: Was bedeutet jenes Lächeln?Was bedeutet jene Stimme, jener gehcimnißvoll schmachtende Flötenton?Woher empfangen jene Augen ihre seligen Strahlen? Ist es ein Abglanzdes Himmels, oder erglänzt der Himmel nur von dem Wicdcrschcin dieserAugen? Steht jenes Lächeln im Zusammenhang mit der stummen Musikdes SphärentanzcS, oder ist es nur die irdische Signatur der übersinnlichste»Harmonien? Eines Tages, als wir im Schloßgarten zu Helsingör uns er-gingen, zärtlich scherzend und kosend, die Herzen in voller SehnsnchtSblüthe. . . cS bleibt mir unvergeßlich, wie bettelhaft der Gesang der Nachtigallenabstach gegen die himmclhauchcndc Stimme Ophelias, und wie armselig blödedie Blumen aussahen mit ihren bunten Gesichtern ohne Lächeln, wenn ich siezufällig verglich mit dem holdseligen Munde Ophelias! Die schlanke Ge-stalt, wie wandlcnde Lieblichkeit schwebte sie neben mir einher.

Ach! das ist der Fluch schwacher Menschen, daß sie jedesmal, wenn ihneneine große Unbill widerfährt, zunächst an dem Besten und Liebsten was sie be-sitzen, ihren Unmuth auslassen. Und der arme Hamlet zerstörte zunächstseine Vernunft, das herrliche Kleinod, stürzte sich durch verstellte Geistesver-wirrung in den entsetzlichen Abgrund der wirklichen Tollheit, und quälte seinarmes Mädchen, mit höhnischen Stachelredcn . . . Das arme Ding! dasfehlte noch, daß der Geliebte ihren Vater für eine Ratte hielt und ihn todt-stach . . . Da mußte sie ebenfalls von Sinnen kommen ! Aber ihr Wahnsinnist nicht so schwarz und brütend düster wie der Hamletische, sondern er gaukelt,

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