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5 (1855) Vermische Schriften : erste Abtheilung
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kcit, und in ihrer leichtsinnig heitern Weise, umspannte sie mit beiden weißenHänden ihren Hals und rief: ich bin sehr leicht zu köpfen, ich Hab' nur einkleines schmales Hälschen.

Auch ist das Beil, womit man ihr das Haupt abschlug, nicht sehr groß.Man zeigte es mir in der Rüstkammer des Towers zu London, und währendich eS in Händen hielt, beschlichcn mich sehr sonderbare Gedanken.

Wenn ich Königin von England wäre, ich ließe jenes Beil in die Tiefe desOceans versenken.

Lady Macbeth.

(Macbeth,)

Von den eigentlich historischen Dramen wende ich mich zu jenen Tragödien,deren Fabel entweder rein ersonnen oder ans alten Sagen und Novellen ge-schöpft ist. Macbeth bildet einen Ucbergang zu diesen Dichtungen, worin derGenius des großen Shakespeare am freiesten und kecksten seine Flügel ent-faltet. Der Stoff ist einer alten Legende entlehnt, er gehört nicht zur Hi-storie, und dennoch macht dieses Stück einige Ansprüche an geschichtlichenGlauben, da der Ahnherr des königlichen Hauses von England darin eineNolle spielte. Macbeth ward nämlich unter Jacob I, aufgeführt, welcher be-kanntlich von dem schottischen Banko abstammen sollte. In dieser Beziehunghat der Dichter auch einige Prophezeiungen zur Ehre der regierenden Dynastieseinem Drama eingewebt.

Macbeth ist ein Liebling der Kritiker, die hier Gelegenheit finden, ihre An-sichten über die antike Schicksalstragödie, in Bcrglcichnng mit der Auffassungdes Fatums bei modernen Tragikern, des Breitesten auseinander zu setzen.Ich erlaube mir über diesen Gegenstand nur eine flüchtige Bemerkung.

Die Schicksalsidee des Shakespeare ist von der Idee des Schicksals bei denAlten in gleicher Weise verschieden, wie die wahrsagenden Frauen, die kronen-vcrhcißcnd in der alten nordischen Legende dem Macbeth begegnen, von jenerHexenschwesterschaft verschieden sind, die man in der Shakespcare'schen Tra-gödie auftreten sieht. Jene wundersamen Frauen in der alten nordischenLegende sind offenbar Walkyren, schauerliche Luftgöttinnen, die über denSchlachtfeldern einherschwebend, Sieg oder Niederlage entscheiden, und alsdie eigentlichen Lenkerinncn des Menschcnschicksals zu betrachten sind, da letz-teres im kriegerischen Norden zunächst vom Ausgange der Schwertkämpfe ab-hängig war. Shakespeare verwandelte sie in unhcilstistcnde Hexen, entklei-dete sie aller furchtbaren Grazie des nordischen Zauberthums, er machte sie zuzwitterhaften Mißweibern, die ungeheuerlichen Spuk zu treiben wisse», und

Heine. V. 27