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5 (1855) Vermische Schriften : erste Abtheilung
Entstehung
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als ergötzliche Kuriosität einen Choral von ihm gehört, der eben so schlecht warwie sein Traktat <Ze sextom saaramentis. Er hat gewiß mit seinen musika-lischen Compositionen und seiner theologischen Schriftsteller« die arme Frausehr belästigt. Das Beste an Heinrich war sein Sinn für plastische Kunst,und aus Vorliebe für das Schöne, entstanden vielleicht seine schlimmsten Sym-pathien und Antipathien. Catharina von Arragonicn war nemlich noch hübschin ihrem vier und zwanzigsten Jahre, als Heinrich achtzehn Jahr alt war undsie heirathcte, obgleich sie die Wittwe seines Bruders gewesen. Aber ihreSchönheit hat wahrscheinlich mit den Jahren nicht zugenommen, um so mehr,da sie, aus Frömmigkeit, mit Geißelung, Fasten, Nachtwachen und Betrll-bungcn, ihr Fleisch beständig kasteite. Ncbcr diese ascetischcn Hebungen be-klagte sich ihr Gemahl oft genug, und auch uns wären dergleichen an einerFrau sehr fatal gewesen.

Aber es giebt noch einen andern Umstand, der mich in meinem Vorurthcilgegen diese Königin bestärkt: Sie war die Tochter der Jsabella von Castitienund die Mutter der blutigen Maria. Was soll ich von dem Baume denken,der solcher bösen Saat entsprossen, und solche böse Frucht gebar?

Wenn sich auch in der Geschichte keine Spuren ihrer Grausamkeit vorfin-den, so tritt dennoch der wilde Stolz ihrer Ra?e bei jeder Gelegenheit hervor,wo sie ihren Rang vertreten oder geltend machen will. Troß ihrer wohlcin-gellbtcn christlichen Dcmuth, gerietst sie doch jedesmal in einen fast heidnischenZorn, wenn man einen Verstoß gegen die herkömmliche Etikette machte odergar ihr den königlichen Titel verweigerte. Bis in den Tod bewahrte sie diesenunauslöschbaren Hochmuth, und auch bei Shakespeare sind ihre letzten Worte:

Ihr sollt mich balsamiren, dann zur SchauAusstellen, zwar entköuigt, doch begrabt michAls Königin und eines Königs Tochter.

Ich kann nicht mehr.

Anna B v l e y n.

(H-Wrlch VIII,)

Die gewöhnliche Meinung geht dahin, daß König Heinrichs Gewissensbisseob seiner Ehe mit Catharinen dnrch die Reize der schönen Anna entstandenseien. Sogar Shakespeare vcrräth diese Meinung, »nd wenn in dem Krö-nungszug die neue Königin austritt, legt er einem jungen Edelmann folgendeWorte in den Mund: