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5 (1855) Vermische Schriften : erste Abtheilung
Entstehung
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zu den süßesten Schmeichcltöncn ... Die Schmeichelei des Wolfes wirkt soerschütternd, so berauschend auf das arme Lammgemüth, daß alle Gefühledarin eine plötzliche Umwandlung erleiden . . . Und König Richard sprichtvon seinem Kummer, von seinem Gram, so daß Anna ihm ihr Mitleid nichtversagen kann, um so mehr, da dieser wilde Mensch nicht sehr klagcsüchtig vonNatur ist . . . Und dieser unglückliche Mörder hat Gewissensbisse, spricht vonNeue, und eine gute Frau könnte ihn vielleicht auf den besseren Weg leiten,wenn sie sich für ihn aufopfern wollte . . . Und Anna entschließt sich Königinvon England zu werden.

Königin Catharina.

(Heinrich VIII.)

Ich hege ein unüberwindliches Vorurthcil gegen diese Fürstin, welcher ichdennoch die höchsten Tugenden zugestehen muß. Als Ehefrau war sie einMuster häuslicher Treue. Als Königin betrug sie sich mit höchster Würde undMajestät. Als Christin war sie die Frömmigkeit selbst. Aber den DoktorSamuel Johnson hat sie zum überschwenglichsten Lobe begeistert, sie ist unterallen Shakespeare'schcn Frauen sein auserlesener Liebling, er spricht von ihrmit Zärtlichkeit und Rührung . . . Das ist nicht zu ertragen. Shakespearehat alle Macht seines Genius aufgeboten, die gute Frau zu verherrlichen, dochdiese Bemühung wird vereitelt, wenn man sieht, daß vr. Johnson, der großePortcrkrug, bei ihrem Anblicke in süßes Entzücken gcräth und von Lobeserhe-bungen überschäumt. War' sie meine Frau, ich könnte mich von ihr scheidenlassen ob solcher Lobeserhebungen... Vielleicht war es nicht der Licbreitz vonAnna Bolep», was den armen König Heinrich von ihr losriß, sondern derEnthusiasmus, womit sich irgend ein damaliger vr. Johnson über die treue,würdevolle und fromme Catharina aussprach, Hat vielleicht Thomas Morus,der bei all seiner Vortrcfflichkcit etwas pedantisch und lcdern und unverdaulichwie Do. Johnson war, zu sehr die Königin in den Himmel erhoben? Demwackcrn Kanzler freilich kam sein Enthusiasmus etwas theucr zu stehen; derKönig erhob ihn deshalb selbst in den Himmel.

Ich weiß nicht, was ich am meisten bewundern soll: daß Catharina ihrenGemahl ganze fünfzehn.Jahre lang ertrug, oder daß Heinrich seine Gattinwährend so langer Zeit ertragen hat? Der König war nicht bloS sehr lau-nenhaft, jähzornig und in beständigem Widerspruch mit allen Neigungen sei-ner Frau das findet sich in vielen Ehen, die sich trotz dem, bis der Tod allemZank ein Ende macht, aufs Beste erhalten aber der König war auch Mu-siker und Thcolog, und beides in vollendeter Miserabilität. Ich habe unlängst