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5 (1855) Vermische Schriften : erste Abtheilung
Entstehung
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Der Mensch, in diesem verzehrenden Klima, wo er immer von Hungergeplagt ist, kann nur durch Arbeit sein Leben fristen. Die Natur zwingt ihndazu. Aber er weiß sich an ihr zu rächen; er läßt sie selber arbeiten; er unter-jocht sie durch Eisen und Feuer. Ganz England keucht von diesem Kampfe.Der Mensch ist dort wie erzürnt, wie außer sich. Seht dieses rothe Gesicht,dieses irrglänzende Auge . . . Man könnte leicht glauben, er sei trunken.Aber sein Kops und seine Hand sind fest und sicher. Er ist nur trunken vonBlut und Kraft. Er behandelt sich selbst wie eine Dampfmaschine, welcheer bis zum Ucbcrmaß mit Nahrung vollstopft, um so viel Thätigkcit undSchnelligkeit als nur irgend möglich daraus zu gewinnen.

Im Mittelalter war der Engländer ungefähr was er jetzt ist: zu stark ge-nährt, angetrieben zum Handeln, und kriegerisch in Ermanglung einer indu-striellen Beschäftigung. »

England, obgleich Ackerbau und Viehzucht treibend, fabrizirte noch nicht.Die Engländer lieferten den rohen Stoff; Andere wußten ihn zu bearbeiten.Die Wolle war auf der einen Seite des Kanals, der Arbeiter war auf derandern Seite. Während die Fürsten stritten und haderten, lebten doch dieenglischen Viehhändler und die flämischen Tuchfabrikanten in bester Einigkeit,im unzerstörbarsten Bundniß. Die Franzosen, welche dieses Bllndniß bre-chen wollten, mußten dieses Beginnen mit einem hundertjährigen Kriege bü-ßen. Die englischen Könige wollten zwar die Eroberung Frankreichs, aberdas Volk verlangte nur Freiheit des Handels, freie Einfuhrplätze, freien Marktfür die englische Wolle. Versammelt um einen großen Wollsack, hielten dieCommune» Rath über die Forderungen des Königs, und bewilligten ihm gernhinlängliche Hülfsgelder und Armeen.

Eine solche Mischung von Industrie und Chcvallcric verleiht dieser ganzenGeschichte ein wunderliches Ansehen. Jener Eduard, welcher auf der Tafel-runde einen stolzen Eid geschworen hat, Frankreich zu erobern, jene gravitätischnärrischen Ritter, welche in Folge ihres Gelübdes ein Auge mit rothcm Tuchbedeckt tragen, sie sind doch keine so großen Narren, als daß sie auf eigne Ko-sten ins Feld zögen. Die fromme Einfalt der Kreuzfahrten ist nicht mehr ander Zeit. Diese Ritter sind im Grunde doch nichts anders als käufliche Söld-ner, als bezahlte Handelsagenten, als bewaffnete Commis-Voyagcurs derLondoner und Ganter Kauflentc. Eduard selbst muß sich sehr verbürgen!,muß allen Stolz ablegen, muß den Beifall der Tuchhändlcr- und Webcrgildeerschmeicheln, muß seinem Gevatter, dem Bierbrauer Artevclde, die Handreichen, muß auf den Schreibtisch eines Viehhändlers steigen, um das Volkanzureden.

Die englischen Tragödien des vierzehnten Jahrhunderts haben sehr komischeParthicn. In den nobelsten Rittern steckte immer etwas Fallstaff. In Frank-

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