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5 (1855) Vermische Schriften : erste Abtheilung
Entstehung
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noch immer nicht ganz abgehandelt, so lange der Kampf der modernen Indu-strie-Bedürfnisse mit den Resten des mittelalterlichen FcudalwcscnS unter aller-lei Transformazionen fortdauert. Hier ist cS nicht so leicht, wie bei den römi-schen Dramen, ein entschiedenes Urthcil auszusprechen, und jede starke Frci-müthigkeit könnte einer mißlichen Äusnahmc begegnen. Nur eine Bemer-kung kann ich hier nicht zurückweisen.

ES ist mir nämlich unbegreiflich, wie einige deutsche Commcntatorc» ganzbestimmt für die Engländer Parthei nehmen, wenn sie von jenen französischenKriegen reden, die in den historischen Dramen des Shakespeare's dargestelltwerden. Wahrlich, in jenen Kriegen war weder das Recht, noch die Poesieauf Seiten der Engländer, die eines Thcils unter nichtigen Succcssions-vorwänden die roheste Plünderungslust verbargen, anderen Thcils nur imSolde gemeiner Krämerinteresse sich herumschlugen . . . ganz wie zu unserereignen Zeit, nur daß es sich im neunzehnten Jahrhundert mehr um Caffee undZucker, hingegen in: vierzehnten und fünfzehnten Jahrhundert mehr umSchafswolle handelte.

Michelct, in seiner französischen Geschichte, dem genialen Buche, bemerktganz richtig:

Das Gchcimniß der Schlachten von Crccy, von Poiticrs u. s. w. befin-det sich im Comptoir der Kaustcute von London, von Bourdeaux, von Brnges.

Wolle und Fleisch begründeten das ursprüngliche England und

die englische Ra?e. Bevor England für die ganze Welt eine große Baum-wollespinncrci und Eiscnmannfaktur wurde, war cS eine Flcischfabrik. Vonjeher trieb dieses Volk vorzugsweise Viehzucht und nährte sich von Fleischspei-sen. Daher diese Frische des Teints, diese Kraft, diese fkurznasigc und hiutcr-kopflosc) Schönheit. Man erlaube mir bei dieser Gelegenheit eines persön-lichen Eindrucks zu erwähnen:

Ich hatte London und einen großen Theil Englands nnd Schottlands ge-sehen; ich hatte mehr angestaunt als begriffen. Erst aus meiner Rückreise,als ich von Ijork nach Manchester ging, die Insel in ihrer Breite durchschnei-dend, empfing ich eine wahrhafte Anschauung Englands. Es war eines Mor-gens, bei feuchtem Nebel; das Land erschien mir nicht bloß umgeben, sondernüberschwemmt vom Ostean. Eine bleiche Sonne färbte kaum die Hälfte derLandschaft. Die neuen ziegelrothen Häuser hätten allzu schroff gegen diesaftig grünen Nasen abgestochen, wären diese schreienden Farben nicht von denflatternden Sccnebcln gedämpft worden. Fette Wcidcnpläße, bedeckt mitSchafen, und überragt von den flammenden Schornsteinen der Fabriköfcn.Viehzucht, Ackerbau, Industrie, alles war in diesem kleinen Nanmc zusam-mengedrängt, eins über das andre, eins daS andre ernährend; das Gras lebtevom Nebel, das Schaf vom Grase, der Mensch von Blut.