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5 (1855) Vermische Schriften : erste Abtheilung
Entstehung
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Margaretha.

(König Heinrich?!,, erster Thcil.)

Hier sehen wir die schone Tochter des Grafen Ncignicr noch als Mädchen.Suffolk tritt auf und fuhrt sie Nor als Gefangene, doch ehe er sich dessen ver-sieht, hat sie ihn selber gefesselt. Er mahnt uns ganz an den Rekruten, der,von einem Wachtposten aus, seinem Hauptmann cntgegcnschric:Ich habeeinen Gefangenen gemacht."So bringt ihn zu mir her," antwortete derHauptmann.Ich kann nicht," crwiederte der arme Rekrut,denn meinGefangener läßt mich nicht mehr loS."

Suffolk spricht:

Sei nicht beleidigt, Wunder der Natur!

Von mir gefangen werden ist dein Loos.

So schlißt der Schwan die flanmbedccktcn Schwänlein,

Mit seinen Flügeln sie gefangen haltend:

Allein, sobald dich kränkt die Sklaverei,

So geh', und sei als Suffolk's Freundin frei.

(Sie wendet sich weg, als wollte ste geh»,)

O bleib! Mir fehlt die Kraft sie zu entlassen,

Befrei'» will sie die Hand, das Herz sagt Nein.

Wie auf krpstall'ncm Strom die Sonne spielt,

Und blinkt mit zweitem nachgeahmten Strahl,

So scheint die lichte Schönheit meinen Augen;

Ich würde gern, doch wag' ich nicht zu reden;

Ich fordre Dint' und Feder ihr zu schreiben.

Pfui, vs In Uoolo t cnthcrzc dich nicht selbst.

Hast keine Zung' ? ist sie nicht dort?

Verzagst du vor dem Anblick eines Weibs?

Ach ja! der Schönheit hohe MajestätVerwirrt die Zung', und macht die Sinne wüst.

Margaretha.

Sag', Gras von Suffolk (wenn du so dich nennst).Was gilt's zur Losung eh' du mich entlässest?

Denn wie ich seh', bin ich bei dir Gefangne.

Suffolk (beiscit).

Wie weißt du, ob sie deine Bitte weigert,

Eh' du um ihre Liebe dich versucht?

Heine, v. 20