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Der Künstler, der uns zu dieser Gullens das Conterfci der französischenPrinzessin geliefert, hat ihr, wahrscheinlich aus englischer Malche, wenigerschöne als drollige Züge geliehen. Sie hat hier ein wahres Vogelgcsicht, unddie Augen sehen aus wie geborgt. Sind es etwa Papageienfedern, die sie aufdem Haupte trägt, und soll damit ihre nachplappernde Gelehrigkeit angedeutetwerden? Sie hat kleine, weiße, neugierige Hände. Eitel Putzliebe und Ge-fallsucht ist ihr ganzes Wesen, und sie weiß mit dem Fächer allerliebst zu spie-len. Ich wette, ihre Füßchcn kokettiren mit dem Boden worauf sie Wandel».
Johanna d ' A r c.
(Heinrich VI., erster Theil.)
Heil Dir, großer deutscher Schiller, der Du das hohe Standbild wiederglorreich gesäubert hast von dem schmutzigen Witze Voltaires, und den schwar-zen Flecken, die ihm sogar Shakespeare angedichtet... Ja, war es brittischerNazionalhaß oder mittelalterlicher Aberglaube, was seinen Geist umnebelte,unser Dichter hat das heldenmüthige Mädchen als eine Hexe dargestellt, diemit den dunkeln Mächten der Hölle verbündet ist. Er läßt die Dämonen derUnterwelt von ihr beschwören, und gerechtfertigt wird durch solche Annahmeihre grausame Hinrichtung. — Ein tiefer Unmnth erfaßt mich jedesmal, wennich zu Rouen über den kleinen Marktplatz wandle, wo man die Jungfrau ver-brannte und eine schlechte Statue diese schlechte That verewigt. Qualvolltobten! das war also schon damals Eure Handlungsweise gegen überwundeneFeinde! Nächst dem Felsen von St. Helena, giebt der erwähnte Marktplatzvon Rouen, das empörendste Zeugniß von der Großmuth der Engländer.
Ja, auch Shakespeare hat sich an der Pllcellc versündigt, und wo nicht mitentschiedener Feindschaft, behandelt er sie doch unfreundlich und lieblos, die edleJungfrau, die ihr Vaterland befreite! Und hätte sie es auch mit der Hülse derHölle gethan, sie verdiente dennoch Ehrfurcht und Bewunderung!
Oder haben die Kritiker Recht, welche dem Stücke, worin die Pücelle auf-tritt, wie auch dem zweiten und dritten Theile Heinrichs VI., die Autorschaftdes großen Dichters absprechen? Sic behaupten, diese Trilogie gehöre zu denaltern Dramen, die er nur bearbeitet habe. Ich möchte gern, der Jungfrauvon Orleans wegen, einer solchen Annahme beipflichten. Aber die vorge-brachten Argumente sind nicht haltbar. Diese bestrittenen Dramen tragen inmanchen Stellen allzu sehr das Vollgepräge des Shakcspearc'schen Geistes.