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5 (1855) Vermische Schriften : erste Abtheilung
Entstehung
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Wohin ich geh', noch rathen, was es soll.Wohin ich m»ß, muß ich: und kurz zu sein.Heut' Abend muß ich von dir, liebes Käthchcn.Ich kenne dich als weise, doch nicht weiser,Als Heinrich Pcrcp 'S Frau; standhaft bist du.Jedoch ein Weib, und an VerschwiegenheitIst keine besser: denn ich glaube sicher,

Du wirst nicht sage», was du selbst nicht weißtUnd so weit, liebes Käthchcn, trau ich dir.

Prinzessin Katharina.

(Heinrich V.)

Hat Shakespeare wirklich die Seme geschrieben, wo die Prinzessin Cathan'naUnterricht in der englischen Sprache nimmt, und sind überhaupt von ihm allejene französischen Redensarten, womit sie John Bull ergötzt? Ich zweifle.Unser Dichter hätte dieselben komischen Effekte mittelst eines englischen Jargonshervorbringen können, um so mehr, da die englische Sprache die Eigenschaftbesitzt, daß sie, ohne von den Regeln der Grammatik abzuweichen, durch bloßeAnwendung romanischer Worte und Constructionen, eine gewisse französischeGeistcsrichtung hervortreten lassen kann. In ähnlicher Weise könnte ein eng-lischer Schauspieldichter eine gewisse germanische Sinnesart andeuten, wenner sich nur altsächsischer Ausdrücke und Wendungen bedienen wollte. Denndie englische Sprache besteht aus zwei heterogenen Elementen, dem romanischenund dem germanischen Element, die, nur zusammengedrückt, nicht zu einemorganischen Ganzen vermischt sind; und die fallen leicht auseinander, und als-dann weiß man doch nicht genau zu bestimmen, auf welcher Seite sich das legi-time Englisch besindct. Man vergleiche nur die Sprache des Doctor Johnsonoder Adisson's mit der Sprache Byron's oder Cobbet's. Shakespeare hättewahrlich nicht nöthig gehabt, die Prinzessin Catharina französisch sprechen zulassen.

Dieses führt mich zu einer Bemerkung, die ich schon an einem andern Orteaussprach. Es ist nemlich ein Mangel in den geschichtlichen Dramen vonShakespeare, daß er den normanisch französischen Geist des hohen Adels nichtmit dem sächsisch brittischcn Geist des Volks, durch eigcnthümlichere Sprach-formen contrastircn läßt. Walter Scott that dieses in seinen Romanen, underreichte dadurch seine farbigsten Effekte.