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5 (1855) Vermische Schriften : erste Abtheilung
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citus, die Privatlastcr und Tollheiten der Cäsaren mit dem poetischsten Giftebeschreiben, wir wissen doch von ihnen das Bessere: sie futterten das Volk.

Casar ist es, welcher die römische Aristokratie ihrem Untergang zuführt undden Sieg der Demokratie vorbereitet. Indessen, manche alte Patrizier hegenim Herzen noch den Geist des Republikanismus; sie können die Oberherr-schaft eines Einzigen noch nicht vertragen; sie können nicht leben, wo ein Ein-ziger das Haupt über das ihre erhebt, und sei es auch das herrliche Haupteines Julius Cäsar; und sie wehen ihre Dolche und tödtcn ihn.

Demokratie und Königthum stehen sich nicht feindlich gegenüber, wie manfälschlich in unsern Tagen behauptet hat. Die beste Demokratie wird immerdiejenige sein, wo ein Einziger als Jnkarnazion des Volkswillens an derSpitze des Staates steht, wie Gott an der Spitze der Weltregicrung; unterjenem, dem inkarnirten Volkswilleu, wie unter der Majestät Gottes, blühtdie sicherste Menschengleichheit, die lichteste Demokratie. Aristokratismus undNepublikanismus stehen einander ebenfalls nicht feindlich gegenüber, und dassehen wir am klarsten im vorliegenden Drama, wo sich eben in den hoch-müthigstcn Aristokraten der Geist des Republikanismus mit seinen schärfstenCharakterzügen ausspricht. Bei Kassius noch weit mehr als bei Brutus,treten uns diese Charakterzüge entgegen. Wir haben nämlich schon längstdie Bemerkung gemacht, daß der Geist des Republikanismus in einer ge-wissen engbrüstigen Eifersucht besteht, die nichts über sich dulden will; ineinem gewissen Zwergncid, der allem Emporragenden abhold ist, der nichteinmal die Tugend durch einen Menschen repräsentirt sehen möchte, fürchtend,daß solcher Tugendrepräsentant seine höhere Persönlichkeit geltend machenkönne. Die Republikaner sind daher heut zu bcschcidcnheitsüchtige Deistcn,und sähen gern in den Menschen nur kümmerliche Lchmfigurcn, die, glcichge-knctct aus den Händen eines Schöpfers hervorgegangen, sich aller hochmüthi-gen Auszcichnungslust und ehrgeizigen Prunksucht enthalten sollten. Dieenglischen Republikaner huldigten einst einem ähnlichen Prinzipe, dem Puri-tanismuS, und dasselbe gilt von den altrömischcn Republikanern: sie warennämlich Stoiker. Wenn man dieses bedenkt, muß man erstaunen, mit wel-chem Scharfsinn Shakespeare den Cassius geschildert hat, namentlich in seinemGespräche mit Brutus, wenn er hört, wie das Volk den Cäsar, den cS zumKönig erheben möchte, mit Jubclgeschrei begrüßt:

Ich weiß es nicht, wie ihr und andre MenschenVon diesem Leben denkt; mir, für mich selbst,

Wär' es so lieb, nicht da sein, als zu lebenIn Furcht vor einem Wesen wie ich selbst.

Ich kam wie Cäsar frei zur Welt, so ihr;