— 284 —
Wir nährten uns so gut, wir können Beide,
So gut wie er, des Winters Frost ertragen:
Denn einst, an einem rauhen, stürm'schen Tage,
Als wild die Tiber an ihr User tobte,
Sprach Cäsar zu mir: Wagst du, Kassius, nun
Mit mir zu springen in die zorn'ge Flut,
Und bis dorthin zu schwimmen? — Auf dies Wort,
Bekleidet, wie ich war, stürzt' ich hinein,
Und hieß ihn folgen; wirklich that cr's auch»
Der Strom brüllt' auf uns ein, wir schlugen ihn
Mit wackern Sehnen, warfen ihn bei Seit',
Und hemmten ihn mit einer Brust des Trotzes;
Doch eh' wir das erwählte Ziel erreicht,
Rief Cäsar: Hilf mir, Cassius! ich sinke.
Ich, wie Aeneas, unser großer Ahn,
Aus TrojaS Flammen einst auf seinen Schultern
Den alten Vater trug, so aus den Wellen
Zog ich den müden Cäsar. — Und der Mann
Ist nun zum Gott erhöht, und Cassius ist
Ein arm Geschöpf, und muß den Rücken beugen.
Nickt Cäsar nur nachlässig gegen ihn.
Als er in Spanien war, hatt' er ein Fieber,
Und wenn der Schau'r ihn ankam, merkt' ich wohl
Sein Beben: ja, er bebte, dieser Gott!
Das feige Blut der Lippen nahm die Flucht.
Sein Auge, dessen Blick die Welt bedränt.
Verlor den Glanz, und ächzen hört' ich ihn.
Ja, dieser Mund, der horchen hieß die Römer,
Und in ihr Buch einzeichnen seine Reden,
Ach, rief: Titinius! gicb mir zu trinken!
Wie'n krankes Mädchen. Götter! ich erstaune.
Wie nur ein Mann so schwächlicher Natur
Der stolzen Welt den Vorsprung abgewann.
Und nahm die Palm' allein.
Cäsar selber kennt seinen Mann sehr gut, und in einem Gespräche mitAntonius entfallen ihm die tiefsinnigen Worte:
Laßt wohlbeleibte Männer um mich sein,
Mit glatten Köpfen, und die Nachts gut schlafen:
Der Cassius dort hat einen hohlen Blick;