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5 (1855) Vermische Schriften : erste Abtheilung
Entstehung
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281
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lichcn Eichenkranz, einbüßt, und endlich bis zum entsetzlichsten Verbrechen, biszum Verrath an dem Vaterland, herabsinkend, ganz schmählig untergeht:das zeigt uns Shakespeare in dem tragischen Drama, welchesCoriolan"betitelt ist.

Nach Troilus und Cressida, worin unser Dichter seinen Stoff der alt-griechischen Heroenzeit entnommen, wende ich mich zu dem Coriolan, weil wirhier sehen, wie er römische Zustände zu behandeln verstand. In diesemDrama schildert er nämlich den Parthcikampf der Patrizier und Plebejer imalten Rom.

Ich will nicht geradezu behaupten, daß diese Schilderung in allen Einzel-heiten mit den Annalen der römischen Geschichte übereinstimme; aber dasWesen jener Kämpfe hat unser Dichter aufs tiefste begriffen und dargestellt.Wir können solches um so richtiger benrtheilen, da unsere Gegenwart mancheErscheinungen aufweist, die dem bctrnbsamcn Zwiespalts gleichen, welcher einstim alten Rom zwischen den bevorrechteten Patriziern und den herabgewürdig-ten Plebejern herrschte. Man sollte manchmal glauben, Shakespeare sei einheutiger Dichter, der im heutigen London lebe und unter römischen Maskendie jetzigen Tones und Radikalen schildern wolle. Was uns in solcher Mei-nung noch bestärken könnte, ist die große Achnlichkcit, die sich überhaupt zwi-schen den alten Römern und heutigen Engländern, und den Staatsmännernbeider Völker, vorfindet. In der That, eine gewisse poesielose Härte, Hab-sucht, Blutgier, Uncrmüdlichkcit, Charakterfestigkeit, ist den heutigen Eng-ländern eben so eigen wie den alten Römern, nur daß diese weit mehr Land-ratten als Wasserratten waren; in der Unliebenswürdigkeit, worin sie beideden höchsten Gipfel erreicht haben, sind sie sich gleich. Die auffallendste Wahl-verwandtschaft bemerkt man bei dem Adel beider Völker. Der englische wieder ehemalige römische Edelmann, ist patriotisch: die Vaterlandsliebe hältihn, trotz aller politischen Nechtsverschiedenheit, mit den Plebejern aufs innigsteverbunden, und dieses sympathetische Band bewirkt, daß die englischen Aristo-kraten und Demokraten, wie einst die römischen, ein ganzes, ein einiges Volkbilden. In andern Ländern, wo der Adel weniger an den Boden, sondernmehr an die Person des Fürsten gefesselt ist, oder gar sich ganz de» partikularenInteressen seines Standes hingiebt, ist dieses nicht der Fall. Dann findenwir bei dem englischen, wie einst bei dem römischen Adel, das Streben nachAuctoritas, als das Höchste, Nuhmwürdigste, und mittelbar auch Einträg-lichste; ich sage das mittelbar Einträglichste, da, wie einst in Rom, so jetztauch in England, die Verwaltung der höchsten StaatSämtcr nur durch miß-brauchten Einfluß und herkömmliche Erpressungen, also mittelbar, bezahltwird. Jene Aemter sind Zweck der Juqcndernehunq in den hohen Familien