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5 (1855) Vermische Schriften : erste Abtheilung
Entstehung
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keineswegs auf den blühenden Fluren der Wirklichkeit, sondern im gelehrtenModer der Bllchcrwclt; und, während ein französischer oder italienischerNckromant von dem Mephistophcles das schönste Weib der Gegenwart gefor-dert hätte, begehrt der deutsche Faust ein Weib, welches bereits vor Jahrtausen-den gestorben ist, und ihm nur noch als schöner Schatten aus altgrichischenPergamenten eutgegenlächelt, die Helena von Sparta! Wie bedeutsam charak-terisirt dieses Verlangen das innerste Wesen des deutschen Volkes!

Eben so kärglich wie die Cassandra, hat Shakespeare im vorliegendenStücke, in Troilus und Crcssida, die schöne Helena behandelt. Wir sehensie nebst Paris auftreten, und mit dem greisen Kuppler Pandarus einige heiterneckende Gespräche wechseln. Sie foppt ihn, und endlich begehrt sie, daß ermit seiner alten meckernden Stimme ein Licbeslied singe. Aber schmerzlicheSchatten der Ahnung, die Vorgefühle eines entsetzlichen Ausgangs, be-schlcichcn manchmal ihr leichtfertiges Herz; aus den rosigsten Scherzen reckendie Schlangen ihre schwarzen Köpfchen hervor, und sie verrätst ihren Gemüths-zustand in den Worten:

Laß uns ein Lied der Liebe hören... diese Liebe wird uns alle zu Grunderichten. O Kupido! Kupido! Kupido!"

Virgilia.

(Cortolan.)

Sie ist das Weib des Coriolan, eine schüchterne Taube, die nicht einmalzu girren wagt in Gegenwart des überstolzen Gatten. Wenn dieser ans demFelde siegreich zurückkehrt, und alles ihm entgegenjubelt, senkt sie demuthig ihrAntlitz, und der lächelnde Held nennt sie sehr sinnig:mein holdes Still-schweigen!" In diesem Stillschweigen liegt ihr ganzer Charakter; sie schweigtwie die erröthende Rose, wie die keusche Perle, wie der sehnsüchtige Abcnd-stern, wie das entzückte Menschenherz...... es ist ein volles, kostbares,

glühendes Schweigen, das mehr sagt als alle Beredsamkeit, als jeder rheto-rische Wortschwall. Sie ist ein verschämt sanftes Weib, und in ihrer zartenHoldseligkeit bildet sie den reinsten Gegensatz zu ihrer Schwiegcr, der römischenWölfin Volumnia, die den Wolf Cajus Marcins einst gesäugt mit ihrereisernen Milch. Ja, letztere ist die wahre Matrone, und aus ihren patrizi-schen Zitzen sog die junge Brut nichts als wilden Muth, ungestümen Trotzund Verachtung des Volkes.

Wie ein Held durch solche früh eingezogenen Tugenden und Untugenden dieLorbecrkrone des Ruhmes erwirbt, dagegen aber die bessere Krone, den bürgcr-