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heitere Geist Thalias, sondern die Schwermnth Melpomenes athmct, gehörenin's Gebiet der Tragödie." Vielleicht trug ich jene umfassende Definizion imSinne, als ich auf den Gedanken gerietst, TroiluS und Cressida unter dieTragödien zu stecken. Und in der That, es herrscht darin eine jauchzendeBitterkeit, eine weltverhöhnende Ironie, wie sie uns nie in den Spielen derkomischen Muse begegnete. Es ist weit eher die tragische Göttin, welche überallin diesem Stücke sichtbar wird, nur daß sie hier einmal lustig thun und Spaßmachen möchte . . . Und eS ist, als sähen wir Mclpomcne auf einem Griset-tcnball den Chahut tanzen, freches Gelächter auf den bleichen Lippen, und denTod im Herzen.
Cassandra.
(Troilus und Cressida.)
Es ist die wahrsagende Tochter des Priamus, welche wir hier im Bildnissevorführen. Sie trägt im Herzen das schauerliche Vorwissen der Zukunft; sieverkündet den Untergang Jlions, und jetzt, wo Hcktor sich waffnct, um mit demschrecklichen Pelidcn zu kämpfen, fleht sie und jammert sie. . . Sie sieht imGeiste schon den geliebten Bruder aus offenen TodeSwunden verbluten . . .Sie fleht und jammert. Vergebens! niemand hört auf ihren Rath, und ebenso rettungslos wie das ganze verblendete Volk, sinkt sie in den Abgrund einesdunkeln Schicksals.
Kärgliche und eben nicht sehr bedeutungsvolle Worte widmet Shakespeareder schönen Seherin; sie ist bei ihm nur eine gewöhnliche UngluckSprophetin,die mit Wehcgcschrei in der verfchmten Stadt umherläuft!
Ihr Auge rollt irre,
Ihr Haar flattert wirre,
Wie Figura zeigt.
Liebreicher hat sie unser großer Schiller in einem seiner schönsten Gedichtegefeiert. Hier klagt sie dem pythischcn Gotte mit den schncidensten Jammer-tönen das Unglück, das er über seine Priesterin verhängt... Ich selber hatteeinmal in öffentlicher Schulprüfung jenes Gedicht zu deklamiren, und steckenblieb ich bei den Worten:
Frommt's den Schleier aufzuhebenWo das nahe Schreckniß droht?
Nur der Jrrthum ist das Leben,
Und das Wissen ist der Tod.