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der Hauptcharaktcrc, eine gewisse allgemein zugängliche Natürlichkeit, hervor-tritt.
Aus diesem Systeme der Natürlichkeit entwickelte sich auch das Spiel desgroßen Devrient, den ich einst zu Berlin gleichzeitig mit dem großen Wolfspielen sah, welcher letztere in seinem Spiele vielmehr dem Systeme der Kunsthuldigte. Obgleich, von den verschiedensten Richtungen ausgehend, jener dieNatur, dieser die Kunst als das Höchste erstrebte, begegneten sie sich doch beidein der Poesie, und durch ganz entgegengesetzte Mittel erschütterten und entzück-ten sie die Herzen der Zuschauer.
Weniger als man erwarten durfte, haben die Musen der Musik und derMalerei zur Verherrlichung Shakespearc's beigetragen. Waren sie neidischauf ihre Schwestern Mclpomene und Thalia, die durch den großen Brittenihre unsterblichsten Kränze ersicgt? Außer Romeo und Julia, und Othello,hat kein Shakespeare'sches Stück irgend einen bedeutenden Componisten zugroßen Schöpfungen begeistert. Der Werth jener tönenden Blumen, die demjauchzenden Nachtigallherzen Zingarelli's entsprossen, brauche ich eben so wenigzu loben wie jene süßesten Klänge, womit der Schwan von Pcsaro die verblu-tende Zärtlichkeit Desdemona's und die schwarzen Flammen ihres Geliebtenbesungen hat! Die Malerei, wie überhaupt die zeichnenden Künste, habenden Ruhm unseres Dichters noch kärglicher unterstützt. Die sogenannteShakespeare-Gallerie in Pall-Mall zeugt zwar von dem guten Willen, aberzugleich von der kühlen Ohnmacht der brittischen Maler. Es sind nüchterneDarstellungen, ganz im Geiste der älteren Franzosen, ohne de» Geschmack,der sich bei diesen nie ganz vcrläuguct. Es gibt etwas, worin die Engländereben so lächerliche Pfuscher sind, wie in der Musik, das ist nämlich die Malerei.Nur im Fache des Portraits haben sie Ausgezeichnetes geleistet, und gar wennsie das Portrait mit dem Grabstichel, also nicht mit Farben, behandeln kön-nen, übertreffen sie die Künstler des übrigen Europa. Was ist der Grundjenes Phänomens, daß die Engländer, denen der Farbensinn so kümmerlichversagt ist, dennoch die außerordentlichsten Zeichner sind, und Meisterstücke des ^Kupfer- und Stahlstichs zu liesern vermögen? Daß letzteres der Fall ist, be-zeugen die nach Shakespeare'schen Dramen gezeichneten Portraite von Frauenund Mädchen, die ich hier mittheile, und deren Vortrefflichkeit wohl keinesCommentars bedarf. Von Commentar ist hier überhaupt am allerwenigstendie Rede. Die vorstehenden Blätter sollten nur dem lieblichen Werke alsflüchtige Einleitung, als Vorgruß, dienen, wie es Brauch und üblich ist. Ichbin der Pförtner, der Euch diese Gallerie aufschließt, und was Ihr bis jetztgehört, war nur eitel Schlüsselgerassel. Indem ich Euch umherfllhre, werdeich manchmal ein kurzes Wort in Eure Betrachtungen hineinschwatzcn; ichwerde manchmal jene Eicerone nachahmen, die nie erlauben, daß man sich in